Der Syrischen Demokratischen Armee (SDF) zufolge ist die letzte Bastion der Islamistenmiliz IS im Bürgerkriegsland Syrien eingenommen worden. Nach wochenlangen Kämpfen sei Baghus befreit worden, sagte ein SDF-Vertreter auf Twitter. Die SDF ist ein Verbündeter der USA in der Region. Die IS-Kämpfer seien besiegt, das von den Extremisten ausgerufene Kalifat sei eliminiert.

Die Offensive zur Befreiung von Baghus hatte am 9. Februar begonnen. Die Dschihadisten leisteten erbitterten Widerstand. Die vollständige Einnahme von Baghus soll faktisch das Ende der IS-Herrschaft in der Region besiegeln. Mehr als 60.000 Menschen sind nach Angaben der SDF-Rebellen in den vergangenen zwei Monaten aus dem umkämpften Gebiet an der irakischen Grenze geflohen. Etwa 5.000 IS-Kämpfer hätten sich ergeben. Die Islamisten hatten 2014 weite Teile des Iraks sowie Syriens erobert und dort ein Kalifat ausgerufen.

Der IS hatte 2014 weite Teile Syriens und des Iraks unter seine Kontrolle gebracht und ein Kalifat ausgerufen. Im Irak galt er bereits als besiegt. Mit der Einnahme von Baghus ist das sogenannte Kalifat nun Geschichte. Die Dschihadisten sind aber weiterhin in der Badia-Wüste präsent und haben in Syrien und dem Irak zahlreiche Schläferzellen, die immer wieder Anschläge verüben.

Nach dem militärischen Sieg über den IS warnen die syrischen Kurden vor dessen Wiedererstarken. Die Befreiung der letzten IS-Bastion in Syrien sei ein "historischer Moment", auf den die internationale Gemeinschaft gewartet habe, sagte der Außenbeauftragte des politischen Arms der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Abdel Karim Umar, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Das bedeutet aber nicht, dass wir den Terror besiegt haben."

Der IS sei zwar militärisch zerstört und der Staat der Extremisten zerschlagen, sagte Abdel Karim Umar weiter. "Aber Daesh ist in den befreiten Gebieten noch immer präsent." Daesh ist die arabische Abkürzung für die Terrormiliz "Islamischer Staat". Es gebe in der Region Dutzende Schläferzellen, erklärte der Kurdensprecher. Auch die IS-Ideologie sei noch immer lebendig. "Daesh kann in neuer Form wieder auferstehen."

Experten aus anderen Ländern sehen das ähnlich. Tatsächlich habe sich der IS lange auf seine Niederlage vorbereitet, Geld beiseitegeschafft und seine wichtigsten Kader in Sicherheit gebracht. So habe er sich in die Guerilla-Truppe zurückverwandelt, die er einst war. Im Irak begeht der IS bereits wieder gezielte Anschläge und Attentate. Im Geheimen warteten seine Unterstützer nur darauf, dass die Unzufriedenheit der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit wieder so stark ansteigt, dass ihnen die Rekruten in Scharen zulaufen. Diese Verwandlung ist Teil der DNA des Islamischen Staat. Er ist immer so groß, wie es gerade möglich ist. Aber er geht nicht ein, wenn er gewaltsam geschrumpft wird.