Mehrere islamisch geprägte Staaten haben Maßnahmen gegen Islamfeindlichkeit in der Welt gefordert. Der Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sei eine der "brutalen, unmenschlichen und furchtbaren" Konsequenzen des Islamhasses, teilten die Mitglieder der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Treffen in Istanbul mit. Es brauche "konkrete, umfassende und systematische Maßnahmen gegen die Plage" der Islamfeindlichkeit. Dem OIC gehören 56 Staaten an.

Ein australischer Rechtsextremist hatte vergangene Woche während des Freitagsgebets in zwei Moscheen in Christchurch 50 Menschen getötet. Neuseelands Außenminister Winston Peters versicherte zum Auftakt des Treffens am Bosporus, dass sich die muslimische Gemeinde in seinem Land "sicher fühlen" könne. "Die Polizei gewährleistet die Sicherheit jeder Moschee, damit die Leute in Frieden beten können", sagte Peters.

Vor seinem Türkei-Besuch hatte Peters angekündigt, "Missverständnisse aus dem Weg" räumen zu wollen. "Die Ansichten der Extremisten sind nicht unsere", sagte er. Die neuseeländische Polizei habe die größte Ermittlung in ihrer Geschichte begonnen. Der Attentäter werde den Rest seines Lebens in Einzelhaft verbringen.

Kritik an Erdoğan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan forderte, den Islamhass so zu bekämpfen wie "den Antisemitismus nach dem Holocaust". Dabei seien die Sicherheitskräfte, die Politiker und die einfachen Bürger gleichermaßen gefragt. Neonazigruppen müssten genauso behandelt werden wie die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere Terrorgruppen. Den westlichen Medien warf er vor, "die Glut des Hasses auf den Islam anzufachen".

Erdoğan war zuletzt kritisiert worden, weil er nach dem Terrorangriff von Christchurch auf Kundgebungen vor der türkischen Kommunalwahl am 31. März wiederholt das Video gezeigt hatte, das der rechtsextreme Attentäter bei der Tat aufgenommen hatte. Neuseeland hat versucht, die Verbreitung des Videos und die Zurschaustellung der Tat zu verhindern.

Außenminister Peters hatte kritisiert, eine solche Politisierung des Massakers gefährde "die Sicherheit der neuseeländischen Bevölkerung". Auch die türkische Opposition warf Erdoğan vor, die Tat für den Wahlkampf zu instrumentalisieren. Trotz der Kritik ließ Erdoğan die Sequenz am Donnerstag erneut bei live im Fernsehen übertragenen Kundgebungen auf einer Großleinwand zeigen.