Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro ist zu einem Staatsbesuch in Washington angekommen – und dabei offenbar völlig aus dem Häuschen. Ihm werde "eine Ehre zuteil wie nur sehr wenigen Staatschefs", ließ er seine Fans auf Twitter wissen: Er sei nämlich im Gästehaus gegenüber dem Weißen Haus untergebracht.

In Wirklichkeit ist das der Standardaufenthalt für Staatsgäste in Washington, und auch Bolsonaros Amtsvorgängerin Dilma Rousseff wohnte schon dort. "Zum ersten Mal seit langer Zeit", verkündete Bolsonaro weiter, komme "ein brasilianischer Präsident nach Washington, der nicht amerikafeindlich ist". Auch über diesen Punkt dürften sich Bolsonaros Amtsvorgänger wundern.

Doch eines stimmt an Bolsonaros Gästehaus-Tweets: Der brasilianische Präsident ist ein begeisterter Fan der USA und seines Gastgebers Donald Trump. Das will er ihm beim persönlichen Zusammentreffen der beiden Männer am Dienstag noch mal extra sagen.  

Bolsonaro biedert sich an

Seit seinem Amtsantritt im Januar lässt Bolsonaro keine Gelegenheit aus, um dem Amtskollegen in Washington zu gefallen: Unisono mit Trump schimpfte der Brasilianer auf die Chinesen, ihren Staatskommunismus und ihre protektionistische Handelspolitik. Er kündigte die Verlegung der Botschaft in Israel nach Jerusalem an – was er inzwischen wieder zurückgezogen hat – und brachte einen "christlichen Staatenbund" zwischen Brasilien, Russland und den USA ins Gespräch. Bolsonaros Sohn Eduardo reiste als eine Art inoffizieller Außenminister vorab nach Washington und ließ sich mit einem Trump-Hut auf dem Kopf fotografieren.

Es ist unklar, ob Trump diese Gesten am Ende als Ausdruck politischer Übereinstimmung bewertet oder als Kriecherei. So oder so passt Brasiliens Präsident Trumps bestens in seine Geostrategie. Vor ein paar Jahren noch hatte die Region als "der linke Kontinent" gegolten: Sozialdemokratische oder sozialistische Regierungen gaben den Ton an, Kuba hatte großen Einfluss und es überwog die Skepsis gegenüber den USA, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren allerlei Diktatoren an die Macht gebracht und mit CIA-Aktionen unterstützt hatten. 

Bolsonaro ist das Paradebeispiel für einen neuen, gegenläufigen Trend: Eine ganze Reihe einflussreicher Länder in der Region, darunter Argentinien, Kolumbien und Ecuador, werden inzwischen von Konservativen oder äußerst Rechten regiert, die sich den USA annähern. In Brasilien entschied sich eine Mehrheit der Wähler für den früheren Hauptmann Bolsonaro, der sich seit Jahrzehnten als Fan der mörderischen Militärdiktatur Brasiliens in den Jahren zwischen 1964 und 1985 bekennt und der seit Jahren mit sprachlichen Ausfällen gegen Feministen, Homosexuelle, Linke aller Art und die Angehörigen benachteiligter Minderheiten auffällt.  

Das Problem aus der Sicht Donald Trumps und seiner Berater wird sein, dass Bolsonaro in seinen zweieinhalb Monaten Amtszeit zwar eine große Klappe gehabt hat – aber noch nicht zu zeigen in der Lage war, dass er große Veränderungen in seinem Land bewirken kann. Im Wahlkampf hatten einige Medien Bolsonaro als "Trump der Tropen" bezeichnet – was an seiner polternden Art festgemacht wurde, seinen groben Sprüchen und dem gespannten Verhältnis zu faktenbasierten Nachrichten.