Tausende ultraorthodoxe Männer haben an der Klagemauer in Jerusalem gegen eine Gruppe liberaler Jüdinnen protestiert, die dort für gleiche Rechte kämpfen wollten. Die Gruppe Frauen der Klagemauer sei während eines Gebets von vorwiegend jungen Strenggläubigen bedrängt, bespuckt und beschimpft worden. Zwei Frauen seien auch verletzt worden, hieß es in einer Stellungnahme. Die Frauen hatten sich Gebetskleidung angelegt, die nach orthodoxer Tradition Männern vorbehalten ist.

Die Polizei versuchte, die Protestler von dem Gebetskreis der Frauen fernzuhalten, und nahm einen Jugendlichen fest, der einen Beamten angegriffen hatte. Laut Polizei habe ein Teil der Frauengruppe im Zentrum des Platzes bewusst versucht, Auseinandersetzungen zu provozieren. Weil der Platz so voll gewesen sei, sei es vereinzelt zu Konfrontationen gekommen. Die Sicherheitskräfte hätten die Gruppen anschließend getrennt. Die Frauen der Klagemauer hätten daraufhin am südlichen Teil der Klagemauer ihre Gebete fortgesetzt. Der Ort ist die heiligste Stätte für Jüdinnen und Juden weltweit.

Die linksliberale Zeitung Haaretz berichtete, dass bereits am Morgen Tausende streng religiöse Schülerinnen und Schüler nach Aufforderung durch ihre Rabbiner zur Klagemauer gekommen waren, um den Platz zu besetzen und die Gebete der Frauen der Klagemauer zu behindern.

Seit 30 Jahren setzen sich die Frauen der Klagemauer für einen gleichen Zugang zu der religiösen Stätte wie Männer ein. Sie fordern, dass auch Frauen dort Gebete leiten, Gebetsschals tragen und Thora-Schriftrollen berühren dürfen. Damit sind die strenggläubigen Juden jedoch nicht einverstanden, da sie an der Geschlechtertrennung festhalten wollen.

Nach jahrelangem Streit hatte Israel Anfang 2018 mit dem Bau eines gemeinsamen Gebetsbereiches für Frauen und Männer an der Klagemauer begonnen. Anfang 2016 hatte die Regierung beschlossen, dass neben den getrennten Bereichen auch ein gemeinsamer Gebetsbereich eingerichtet werden solle. Dort sollten alle die gleichen Gebetsrechte haben. Aufgrund des Drucks ultraorthodoxer Koalitionspartner war die Vereinbarung lange Zeit nicht umgesetzt worden.