Erstmals sind Zehntausende Unabhängigkeitsbefürworter gegen das Gerichtsverfahren gegen zwölf katalanische Separatistenführer in Spaniens Hauptstadt Madrid auf die Straße gegangen. Zu den Protesten aufgerufen hatten die Organisation "Katalanische Nationalversammlung" (ANC) und etwa 50 weitere Verbände und Parteien. Um die Teilnehmer der Kundgebung in die Hauptstadt zu bringen, wurden einem Bericht der Zeitung El País zufolge 500 Busse gechartert, 15 Sonderzüge waren im Einsatz.

Die Kundgebung stand unter dem Motto "Selbstbestimmung ist kein Verbrechen". Die Demonstrantinnen und Demonstranten riefen "Freiheit für die politischen Gefangenen!" und hielten Bilder der Angeklagten in die Höhe. Viele Teilnehmer schwenkten auf dem zentralen Boulevard Paseo del Prado die gelb-rot-blauen Farben der "Estelada", die Fahnen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Andere hielten riesige gelbe Schleifen in die Höhe als Symbol für die Solidarität mit den Inhaftierten.Es waren etwa 500 Polizisten im Einsatz.

Angeführt wurde die Demonstration vom katalanischen Regionalpräsidenten Quim Torra und zahlreichen Bürgermeistern der Region. "Spanien, höre diesen Schrei nach Freiheit, diesen Schrei nach Unabhängigkeit!", sagte Torra. Das Verhältnis zwischen der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez und der Region im Nordosten Spaniens gilt als angespannt.

Zwölf Anführer wegen Rebellion und Aufruhr vor Gericht

Zuletzt hatten sich im Februar in der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona Hunderttausende Menschen mit den Separatistenführern solidarisiert. Die zwölf Anführer der Unabhängigkeitsbewegung müssen sich seit einigen Wochen vor dem Obersten Gerichtshof in Madrid verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Mittel vor.

Der ehemalige Vize-Regionalpräsident Kataloniens, Oriol Junqueras, sowie elf weitere Unabhängigkeitsführer sollen im Oktober 2017 ein von der spanischen Justiz als illegal eingestuftes Unabhängigkeitsreferendum organisiert haben. Daraufhin hatte der damalige  Regionalpräsident Carles Puigdemont die Loslösung Kataloniens von Spanien erklärt. Die damals konservative Zentralregierung stellte die Region daraufhin unter Zwangsverwaltung. Mehrere Unabhängigkeitsbefürworter wurden inhaftiert. Den Angeklagten drohen langjährige Haftstrafen.

Puigdemont, der vor der Justiz ins belgische Exil geflohen war, ist von dem Verfahren nicht betroffen. Er twitterte am Abend, der Erfolg der Demonstration berühre ihn tief: "Mit Esteladas, auf den Straßen und in fröhlicher Atmosphäre. Danke."