Die maltesische Justiz hat Anklage gegen drei Geflüchtete erhoben, die versucht haben sollen, ein Handelsschiff mit geretteten Schiffbrüchigen nach Malta umzuleiten. Die Teenager im Alter von 15, 16 und 19 Jahren erschienen am Samstag vor Gericht in der Hauptstadt Valletta. Nach maltesischem Recht drohen ihnen Haftstrafen zwischen sieben Jahren und lebenslang.

Der Tanker El Hiblu 1 hatte am Mittwoch in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste im Mittelmeer 108 Menschen gerettet, darunter auch Frauen und Kinder. Als die Geflüchteten hörten, dass sie nach Libyen zurückgebracht werden sollten, sollen sie den Kapitän gezwungen haben, den Kurs Richtung Malta zu ändern. Die Insel liegt rund 350 Kilometer nördlich der libyschen Küste. Die Geretteten sollen auf diese Weise verhindert haben, nach Libyen zurückgebracht zu werden.

Vor der Küste Maltas hatte die maltesische Armee die Kontrolle über das Schiff übernommen. Am Donnerstagabend war das Schiff in Valletta eingetroffen. Die drei Angeklagten, die die Vorwürfe am Samstag zurückwiesen, bleiben vorerst in Haft. Die übrigen Migrantinnen und Migranten wurden in einem Aufnahmezentrum untergebracht. Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte anschließend gesagt, es handele sich bei den 108 Menschen an Bord nicht um "Schiffbrüchige", sondern um "Piraten".

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte von einer "gefährlichen Lage" gesprochen, welche die große Verzweiflung von Menschen auf der Flucht zeige. "Die EU-Politik gefährdet Menschen immer mehr und hat Handelsschiffe in eine unmögliche Lage gebracht", so die NGO.

Hilfsorganisationen sprechen von unmenschlichen Bedingungen

Sowohl Italien als auch Malta wollen ohne einen neuen EU-weiten Verteilungsschlüssel keine Bootsflüchtlinge mehr aufnehmen. Vor der libyschen Küste sind kaum noch Rettungsschiffe im Einsatz. Die Boote von Hilfsorganisationen wurden immer wieder festgesetzt oder aus dem Verkehr gezogen. Auch die EU hat ihren Marineeinsatz vor der libyschen Küste gestoppt.

Im Rahmen der Anti-Schleuser-Operation Sophia will die EU vorerst nur noch Luftaufklärung betreiben und libysche Küstenschützer auszubilden. Diese sollen gerettete Migrantinnen und Migranten zurück nach Libyen bringen. Viele wehren sich jedoch dagegen. Hilfsorganisationen sprechen von unmenschlichen Bedingungen vor Ort, Geflüchtete sollen Folter ausgesetzt sein.