Wenige Tage nach dem ergebnislosen Treffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un baut das südostasiatische Land laut Medienberichten Teile einer Anlage für Langstreckenraketen wieder auf. Nach Informationen der südkoreanischen Zeitung JoongAng Ilbo hat der südkoreanische Geheimdienstdirektor Suh Hoon entsprechende Erkenntnisse Abgeordneten bei einem Treffen am Dienstag übermittelt. Auch die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap und US-Experten berichten, dass Arbeiten an der Anlage im Gange seien.

Die auf Nordkorea spezialisierte Website 38 North und das Center for Strategic and International Studies verweisen auf Satellitenbilder, die auf einen Wiederaufbau einiger Komponenten der Startrampe hindeuteten. 38 North zufolge wurden Strukturen auf der Sohae-Startrampe zwischen dem 16. Februar und dem 2. März wiederaufgebaut. Dem südkoreanischen Geheimdienstdirektor Suh zufolge könnten unterschiedliche Motive hinter den Aktivitäten stecken: Die Führung in Pjöngjang könnte sich auf eine Wiederaufnahme von Versuchen mit Langstreckenraketen vorbereiten, falls die Atomverhandlungen völlig in sich zusammenfielen. Möglich sei aber auch, dass zusätzliche Konstruktionen gebaut würden, um die Anlage in die Luft sprengen zu können, wenn im Falle erfolgreicher Gespräche mit den USA amerikanische Inspekteure nach Nordkorea kämen.

In der vergangenen Woche war der zweite Gipfel von Trump und Kim in Hanoi gescheitert, da keine Einigung zustande kam. Die USA drohen Nordkorea nun mit neuen Sanktionen: Die US-Regierung wolle sehen, ob die Führung in Pjöngjang bereit sei, ihr "Atomwaffenprogramm und alles, was damit verbunden ist", aufzugeben, sagte Trumps Sicherheitsberater John Bolton dem TV-Sender Fox Business Network. Wenn Nordkorea nicht dazu bereit sei, werde es keine Lockerung der Sanktionen, sondern womöglich eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen geben.

UN: Schlechteste Ernten seit mehr als zehn Jahren

Unterdessen warnen die Vereinten Nationen wegen der schlechtesten Ernten in Nordkorea seit mehr als einem Jahrzehnt vor einer Lebensmittelnot. Laut einem UN-Bericht ging die Gesamterntemenge im vergangenen Jahr um 500.000 Tonnen auf 4,95 Millionen Tonnen zurück. UN-Nordkorea-Koordinator Tapan Mishra sagte, dadurch sei eine große "Lebensmittellücke" entstanden.

Nordkorea hat seit Langem mit Lebensmittelknappheit zu kämpfen. Die Zahl der Nordkoreaner, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, ist laut UN um 600.000 auf 10,9 Millionen angestiegen. Das entspricht 43 Prozent der Bevölkerung.

Zugleich fehle es an Geld für Hilfslieferungen. UN-Nordkorea-Koordinator Mishra sagte, im vergangenen Jahr sei nur knapp ein Viertel des Finanzbedarfs gedeckt worden. Als Gründe für die schlechte Ernte werden Naturkatastrophen, ein Mangel an landwirtschaftlich nutzbarem Land und ineffiziente Landwirtschaft angeführt. So hatte Nordkorea im Juli und August mit Hitzewellen zu kämpfen. Es folgten heftige Regenfälle und Überschwemmungen durch einen Taifun.

In dem international isolierten Nordkorea fehlt es zudem an moderner landwirtschaftlicher Technologie und an Düngemitteln. In dem bergigen Land gelten nur 20 Prozent der Fläche als landwirtschaftlich nutzbar. Kritiker werfen der Führung in Pjöngjang zudem vor, jahrzehntelang den Ausbau der Armee und des Atomwaffenprogramms auf Kosten der Bevölkerung vorangetrieben zu haben.