Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch eine Reform der Waffengesetze innerhalb von zehn Tagen angekündigt. Das Kabinett habe sich grundsätzlich auf schärfere Gesetze verständigt, müsse die Details aber noch ausarbeiten. "Wir wollen so schnell wie möglich damit vorankommen", sagte sie. Möglich sei etwa, den privaten Besitz von halbautomatischen Gewehren zu verbieten – derartige Waffen wurden bei der Attacke am vergangenen Freitag genutzt.

Ein 28-jähriger Australier hatte im neuseeländischen Christchurch in zwei Moscheen mindestens 50 Menschen erschossen. Zuvor hatte der ehemalige Fitnesstrainer, der seit einigen Jahren in Neuseeland lebt, eine Kampfschrift mit rechtsextremen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt. Die Tat selbst streamte er mit einer Helmkamera ins Netz. Der Mann war nach dem Massaker festgenommen worden und allen bisherigen Erkenntnissen nach als Einzeltäter vorgegangen. "Wir glauben, dass diese furchtbare Tat von einer einzelnen Person begangen wurde", sagte Polizeichef Mike Bush in der Hauptstadt Wellington. 

Täter will sich selbst vor Gericht verteidigen

Bush zufolge sind an den Ermittlungen mehr als 200 Beamte beteiligt, auch aus Australien und von der US-Bundespolizei FBI. Zuletzt hatten Antiterroreinheiten der australischen Polizei zwei Wohnungen an der Ostküste des Landes durchsucht. Betroffen waren demnach die Orte Sandy Beach und Lawrence im australischen Bundesstaat New South Wales nahe der Ortschaft Grafton, aus welcher der mutmaßliche Attentäter stammt. Nach Angaben der australischen Polizei kooperiert dessen Familie bei den Ermittlungen.

Dem Täter droht lebenslange Haft wegen vielfachen Mordes. Er will sich nach Angaben seines bisherigen Pflichtverteidigers Richard Peters selbst vor Gericht verteidigen. Spekulationen, wonach der 28-Jährige nicht zurechnungsfähig sein könnte, wies er zurück: Der Australier habe auf ihn "rational" gewirkt und nicht wie jemand, der an einer mentalen Krankheit leidet. "Er schien zu verstehen, was los ist", sagte Peters der Zeitung New Zealand Herald. Er habe weder Reue noch Mitleid erkennen lassen und dürfte einen späteren Prozess als Plattform nutzen, um "seine ziemlich extremen Ansichten" vor den Augen der Weltöffentlichkeit zur Schau zu stellen.

Anklage wegen Verbreitung des Angriffsvideos

Derweil klagte ein Gericht in Christchurch einen 18-Jährigen an, der das Livevideo des Anschlags verbreitet haben soll. Der 18-Jährige muss sich außerdem wegen der Veröffentlichung eines Fotos der Moschee und dem Satz "Ziel erreicht" verantworten. Laut Staatsanwalt drohen ihm maximal 14 Jahre Haft pro Anklagepunkt. Die Ermittler gehen bislang nicht davon aus, dass der junge Mann direkt in die Anschläge auf zwei Moscheen in Christchurch verwickelt ist.

Indes warteten die Angehörigen der Opfer auf eine Antwort auf die Frage, wann sie ihre Verwandten beerdigen können. Die Tradition im Islam sieht es vor, dass die Körper so schnell wie möglich gewaschen und beerdigt werden, in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Premierministerin Ardern drückte die Hoffnung aus, dass die Leichen aller Opfer spätestens am Mittwoch freigegeben werden können.