Donald Trump soll den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un beim Gipfel in Vietnam aufgefordert haben, alle Atomwaffen an die USA zu übergeben. Der US-Präsident überreichte einem Insider zufolge Kim vor vier Wochen ein entsprechendes Dokument. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, der das Papier vorliegen soll.

Der Gipfel war am 28. Februar ergebnislos abgebrochen worden, ein Mittagessen der Staatschefs in Hanoi wurde abgesagt. Ein weiteres Treffen wurde nicht vereinbart, zu Hintergründen war nichts bekannt. Aus Nordkorea hatte es nach dem Scheitern des Gipfels geheißen, man wolle weiterhin mit den USA über die atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel verhandeln. Mitte März drohte Nordkorea jedoch mit einer Wiederaufnahme von Atom- und Raketentests und einem Abbruch der Abrüstungsverhandlungen mit den USA.

Neben der Auslieferung von Waffen und Waffenteilen soll in dem Papier auch ein vollständiger Abbau jeglicher nuklearer Infrastruktur und der Zugang von US-Inspektoren gefordert worden sein. Alle am Atomprogramm beteiligten Wissenschaftler sollten demnach in zivile Projekte versetzt werden. Es sei das erste Mal gewesen, dass Trump gegenüber Kim deutlich gemacht habe, was er unter Denuklearisierung verstehe, sagte der Insider der Nachrichtenagentur zufolge.

Das US-Präsidialamt reagierte zunächst nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme. Das Außenministerium lehnte eine Äußerung ab, mit der Begründung, das Dokument werde als vertraulich eingestuft. Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton hatte im Anschluss an den Gipfel in Fernsehinterviews über das Dokument gesprochen, jedoch keine Details genannt.

Bolton gilt seit Langem als Vertreter eines harten Kurses gegenüber Nordkorea und Befürworter eines Libyen-Modells zur Denuklearisierung. Libyen hatte seine Atomwaffen 2004 an die USA übergeben. Sieben Jahre später beteiligten sich die USA an einer Nato-Mission in dem nordafrikanischen Land, die zum Sturz der Regierung von Muammar Gaddafi führte. Nordkorea lehnt ein Libyen-Modell ab. Die Regierung in Pjöngjang hat sich wiederholt gegen eine einseitige Abrüstung ausgesprochen und führt an, das Waffenprogramm sei zur Verteidigung des Landes nötig.