Nordkorea - Überraschende Freilassung im Mordprozess um Kim Jong Nam Eine Indonesierin ist im Mordprozess um den Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un freigelassen worden. Ein Gericht in Malaysia stellte das Verfahren ein. © Foto: Mohd Rasfan/AFP/Getty Images

Zwei Jahre nach dem Mord am Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sind die Vorwürfe gegen eine der beiden angeklagten Frauen überraschend fallengelassen worden. Ein Richter am Obersten Gericht in der Stadt Shah Alam ließ die Klage gegen die 27-jährige Siti Aisyah am Montag fallen, nachdem die Staatsanwälte die Vorwürfe ohne Angabe von Gründen zurückzogen. Formal freigesprochen wurde die Indonesierin nicht. Noch 2018 hatte der Richter befunden, dass die Beweislage gegen die Frauen für eine Fortsetzung des Mordprozesses ausreiche.

Die Freilassung ging nach Angaben Jakartas auf hartnäckige Fürsprache auf höchster Ebene zurück. Siti Aisyahs Schicksal sei bei jedem bilateralen malaysisch-indonesischen Treffen zur Sprache gebracht worden – auch auf Ebene der Präsidenten, teilte das Außenministerium am Montag mit. Malaysias Generalstaatsanwalt habe nach dem Strafrecht dann seine Autorität geltend gemacht, um eine Einstellung des Verfahrens gegen Aisyah zu erwirken.

Indonesiens Botschafter in Malaysia, Rusdi Kirana, äußerten sich zufrieden über die Entscheidung. Siti Aisyah solle jetzt so schnell wie möglich zurück in ihre Heimat gebracht werden.

Frauen sagten, sie hätten sich als Teil einer Reality-TV-Show geglaubt

Dem älteren Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un war im Februar 2017 in einem belebten Airport-Terminal in Kuala Lumpur das Nervengift VX in Gesicht und Augen gerieben worden. Er starb zwei Stunden später. Neben Aisyah wurde eine junge Vietnamesin der Tat beschuldigt. Das Außenministerium in Jakarta bestritt eine Mordabsicht Aisyahs. Sie sei "getäuscht worden und bemerkte überhaupt nicht, dass sie vom nordkoreanischen Geheimdienst manipuliert wurde". Vielmehr habe sie gedacht, sie seien für eine Reality-TV-Show im Stil von "Versteckte Kamera" angeheuert worden, teilte das Ministerium mit.

Die beiden Frauen waren unmittelbar nach dem Anschlag festgenommen worden. Vier nordkoreanische Verdächtige hatten noch am Morgen des Attentats das Land verlassen.

Das verwendete Nervengift VX wird als Massenvernichtungswaffe eingestuft. Südkorea hatte den nordkoreanischen Geheimdienst verdächtigt, hinter dem Attentat zu stecken. Kim Jong Nam war ein Halbbruder und Rivale des nordkoreanischen Machthabers; er war zu Hause in Ungnade gefallen und lebte im Ausland. Der Fall hatte die Beziehungen zwischen Malaysia und Nordkorea massiv belastet.

Die Vietnamesin muss sich weiterhin vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung droht ihr die Todesstrafe.