Die regierungskritische philippinische Journalistin Maria Ressa ist sechs Wochen nach ihrer Freilassung erneut vorübergehend festgenommen worden. "Ich werde wie eine Kriminelle behandelt, obwohl mein einziges Verbrechen ist, eine unabhängige Journalistin zu sein", sagte Ressa Reportern vor ihrer Festnahme am Flughafen in Manila, wo sie nach einer Auslandsreise gelandet war.

Kurze Zeit später kam sie gegen Zahlung einer Kaution wieder frei. Ressa ist die Chefin des Nachrichtenportals Rappler, das immer wieder ausführlich über Präsident Dutertes hartes Vorgehen gegen die Drogenkriminalität berichtet. Die Behörden werfen Ressa und Rappler Steuerbetrug und Verleumdung vor. Dafür drohen der Journalistin zwölf Jahre Gefängnis.

Die Regierung wolle "ganz klar die unabhängige und kritische Presse zum Schweigen bringen oder einschüchtern", hieß es in einer Stellungnahme des nationalen Journalistenverbandes. Bereits im Februar hatte Ressa eine Nacht in Untersuchungshaft verbracht, bevor sie gegen Kaution wieder freikam. Das US-Nachrichtenmagazin Time zeichnete sie 2018 zusammen mit anderen Journalistinnen und Journalisten als "Person des Jahres" aus.

Seit Dutertes Amtsantritt wurden nach Angaben der Polizei mehr als 5.000 Drogenkriminelle getötet. Menschenrechtsgruppen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl etwa dreimal so hoch ist. Kritikerinnen und Kritiker werfen Duterte vor, den Sicherheitskräften bei ihrem Vorgehen freie Hand zu lassen. Wegen kritischer Berichterstattung über seinen Drogenkrieg hatte der Präsident auch anderen philippinischen Medien mit Strafverfolgung gedroht.