Die Abgeordneten im britischen Unterhaus haben sich am Mittwochabend dagegen entschieden, die EU ohne einen Deal zu verlassen. Dass sie aber das Austrittsabkommen von Premierministerin Theresa May im dritten Versuch akzeptieren, gilt ebenfalls als unwahrscheinlich. Die britische Presse bewertet die Entwicklungen deshalb als klare Niederlage für May – und findet harte Worte.

In Bezug auf die Uneinigkeit in der Konservativen Partei von May spricht die britische Boulevardzeitung Daily Mirror von einer "Kernschmelze". Die Ereignisse des Tages hätten gezeigt, dass es bei den sogenannten Tories zu einem "totalen Zusammenbruch der Disziplin" gekommen sei. Die Minister aus der eigenen Regierung, die gegen Mays Plan stimmten, hätten "ihre Führung in einer Meuterei zerfetzt".

Auch die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC sieht Mays Autorität "in Fetzen – wenn sie nicht komplett verschwunden ist". Doch die Regierung habe nun zwei klare Optionen: entweder den bereits zweimal gescheiterten Deal beim dritten Versuch anzunehmen oder eine deutliche Verzögerung des Brexits zu akzeptieren. Das seien nicht die Möglichkeiten einer Regierung, die alles unter Kontrolle habe. "Aber die Taktik besteht jetzt darin, das Beste aus dem Chaos zu machen."

Aus Sicht der Tageszeitung The Guardian wirft May mit der dritten Abstimmung nun noch ein "letztes verzweifeltes Mal den Würfel". Das Ergebnis am Mittwoch habe die Tories in beispielloser Weise gespalten und die Regierung zerbrochen. "Das Chaos regiert."

"May macht uns zur internationalen Lachnummer"

Die britische Onlinezeitung The Independent sieht in der Entscheidung des Unterhauses vor allem einen Gewinn für die EU. So habe der Brexit in der Union zu einer neuen Einheit geführt, mit der sie die Probleme der Finanz- und Flüchtlingskrise hinter sich lassen könne. Den Briten hingegen bringe das nichts mehr. Der Brexit habe so vielleicht gerade Europa gerettet – "es ist nur eine Schande, dass sich Großbritannien dafür opfern musste".

Auch die britische Zeitung The Telegraph richtet den Blick in Richtung Europa. "Theresa May zerstört nicht nur den Brexit – sie macht uns zur internationalen Lachnummer", heißt es in einem Kommentar. Von Paris bis Madrid werde die gebrochene Stimme der Premierministerin als Metapher für "die schlaffe Anführerin unseres Landes und das staubige, zerbrochene Parlament gesehen".  

Wie könnte es in Großbritannien nun weitergehen? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Großbritannien - Kein Brexit ohne Deal Das britische Parlament hat sich gegen einen EU-Austritt ohne Abkommen ausgesprochen. Die Abstimmung am Mittwochabend endete mit 321 zu 278 Stimmen. © Foto: Handout/Reuters