Für viele Demokraten sind die Ermittlungen Robert Muellers eine Art letzte Hoffnung gewesen. Jene, die auch mehr als zwei Jahre nach Donald Trumps Wahlsieg noch immer nicht wahrhaben wollten, dass der eher platt argumentierende Entertainer mit einfachsten Mitteln die perfekt organisierte Wahlkampfmaschinerie Hillary Clintons besiegte, hielten an der Hoffnung fest, dass Trump sich den Wahlsieg mithilfe fremder Mächte ergaunert hatte. 

Dass Trumps Gefolgschaft dem Bericht zufolge nicht auf strafbare Art und Weise gemeinsame Sache mit Russland gemacht hat, lässt viele in der Partei mit einem geknickten Selbstbild zurück. Die klammheimliche Hoffnung, sich Trump noch vor der nächsten Wahl irgendwie entledigen zu können, ist ebenfalls weitgehend dahin. 

Die Russland-Ermittlungen verhinderten lange, dass sich die Demokraten intensiver mit den Gründen für das eigene Versagen beschäftigen mussten. Die Frage ist nun, wie die Partei sich nach dem aus ihrer Sicht enttäuschenden Ergebnis der Ermittlungen neu orientieren kann.

Die Demokraten sind gespalten

Die Partei und ihre Präsidentschaftskandidatinnen und -kandidaten sind gespalten in jene, die den Mueller-Report weitgehend abhaken und jene, die sich mit den unvollständigen Informationen aus dem Justizministerium noch nicht zufrieden geben möchten. Zahlreiche Kongressabgeordnete wollen den Druck auf Trump aufrechterhalten. Dazu gehören etwa Elijah Cummings, Vorsitzender des Kontrollausschusses, und Jerry Nadler, Vorsitzender des Justizausschusses.

Unter den Präsidentschaftskandidaten war es vor allem Cory Booker, Senator aus New Jersey, der nach der Veröffentlichung von Muellers Ermittlungsergebnissen Trump noch nicht vollständig von dem Vorwurf der Zusammenarbeit mit Russland entlasten wollte. "Ich werde keine Schlussfolgerungen aus einem Bericht ziehen, den ich nicht gelesen habe", sagte Booker dem TV-Sender MSNBC.

Strategie 1: Weiterkämpfen

Wie Brooker fordern viele demokratische Abgeordnete, die Ermittlungen im Parlament weiterzuführen. Und sie kämpfen für die Herausgabe des gesamten Mueller-Reports, von dem das Justizministerium bisher nur eine Zusammenfassung veröffentlicht hat. Die demokratischen Vorsitzenden von sechs Kongressausschüssen haben dem Justizministerium eine Frist bis zum 2. April gesetzt, den gesamten Bericht freizugeben.

Die Demokraten hoffen, in Muellers ungekürztem Report doch noch Hinweise auf Verfehlungen Trumps zu finden, die man gegen ihn verwenden könnte. Darüber hinaus laufen in mehreren Ausschüssen des Repräsentantenhauses Ermittlungen gegen Trump und sein Umfeld. Ein Mitarbeiter der Partei nannte die Taktik im Gespräch mit der Washington Post eine Politik der "tausend Schnitte". Die Summe der Ermittlungen soll Trump schädigen – zumindest theoretisch. 

Denn was auch immer die zahlreichen anhängigen Verfahren an diversen Gerichten oder etwaige Anhörungen im Parlament zum Vorschein bringen: Es ist zweifelhaft, dass die Erkenntnisse die politische Fallhöhe des Mueller-Reports erreichen. Teilweise sind die zu klärenden Anschuldigungen gegen Trump und sein Umfeld so kleinteilig, dass außerhalb der hochspezialisierten Reporterteams in den großen Nachrichtenredaktionen des Landes ohnehin kaum jemand versteht, worum es eigentlich geht. Das öffentliche Interesse an diesen Ermittlungen ist gering.

Strategie 2: Ignorieren

Ein anderer Teil der Demokraten will das Thema Mueller erkennbar hinter sich lassen. Die Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, rückte schon vor Erscheinen der Zusammenfassung davon ab, um jeden Preis ein Amtsenthebungsverfahren anzustrengen. Nach der Veröffentlichung der Ermittlungsergebnisse empfahl die Politikveteranin aus Kalifornien ihren Parteikollegen nach einem Bericht der Washington Post, nicht mehr von "Absprachen mit Russland" zu reden, weil das vom eigenen politischen Programm ablenke.