Die türkische und russische Regierung hat mit Patrouillen in der Pufferzone um Idlib begonnen. Die Provinz ist das letzte noch von Rebellen gehaltene Gebiet in Syrien. Russische Einheiten sollen im Grenzgebiet zu Idlib und türkische Soldaten innerhalb der entmilitarisierten Pufferzone eingesetzt werden, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte, dass sich türkische Truppen im Rahmen der türkisch-russischen Vereinbarung auf Patrouillen vorbereitet haben. Trotz einer Waffenruhe in Idlib hatten die Kämpfe zuletzt wieder zugenommen, weshalb Tausende Menschen, vor allem aus der Stadt Chan Scheichun, flüchteten.

Die Patrouillen stellten "einen wichtigen Schritt dar, um in Idlib den Waffenstillstand fortzusetzen und die Stabilität aufrechtzuerhalten" sagte Akar. Er warnte jedoch die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad davor, den Waffenstillstand zu verletzen.

Idlib im Nordwesten Syriens wird von der Al-Kaida-nahen Miliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert. Die Kämpfer von HTS liegen in Idlib seit Jahren im Konflikt mit rivalisierenden Rebellengruppen, weshalb es immer wieder zu Anschlägen und Gefechten kommt. Die Türkei als Verbündeter der Rebellen und Russland als Unterstützer der syrischen Regierung hatten sich im vergangenen Jahr auf eine Pufferzone für Idlib geeinigt, um eine Offensive der syrischen Regierungstruppen auf die Provinz zu verhindern.

Die Vereinbarung wurde seither nur teilweise umgesetzt: Anfang Januar drängte die Dschihadistenallianz Hajat Tahrir al-Scham die protürkische Nationalen Befreiungsfront (NLF) zurück und weitete ihre Kontrolle von der Provinz Aleppo auf die angrenzenden Provinzen Hama und Idlib aus.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden trotz der Waffenruhe seit September 160 Zivilisten, 125 Kämpfer der Regierungstruppen und 94 Rebellen und Dschihadisten in Idlib getötet.