Vor dem letzten Tag der internationalen Geberkonferenz für Syrien in Brüssel hat die EU-Kommission zu mehr Unterstützung für Flüchtlinge in den Nachbarländern des Krisenstaats aufgerufen. "Wir müssen davon ausgehen, dass es in absehbarer Zeit zu keiner Rückkehr der Flüchtlinge nach Syrien kommt", sagte EU-Nachbarschaftskommissar Johannes Hahn. Millionen Menschen in angrenzenden Ländern bräuchten deshalb nicht nur humanitäre Hilfe, sondern auch Perspektiven wie Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten.

Hahn zufolge ist die Unterstützung für Syriens Nachbarn "im eigenen Interesse" der EU, die in den vergangenen Jahren Ziel von Hunderttausenden Flüchtlingen aus der Krisenregion war. Eine Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien könne nur nach einer politischen Lösung des Syrien-Konflikts unter UN-Vermittlung erfolgen. Die werde voraussichtlich "so bald nicht stattfinden", sagte Hahn.

Hahn forderte in den Konflikt verwickelte Staaten wie Russland, die Türkei, einige arabische Länder und den Iran auf, sich zum UN-Friedensprozess zu bekennen. Denn allen sei "klar, dass dort ein Stellvertreterkrieg im Gange ist". Nach einer politischen Friedenslösung sei die EU auch bereit, sich am Wiederaufbau des Bürgerkriegslandes zu beteiligen.

Hahn schloss dabei "jedenfalls für eine Übergangsphase" auch eine Zusammenarbeit mit der Regierung von Machthaber Baschar al-Assad nicht aus. "Es ist ja offenkundig, dass dieses Regime vor dem militärischen Erfolg steht", sagte der Österreicher. "Ich glaube, von dieser Illusion muss man sich befreien, dass es ohne ein Zusammenwirken mit dem jetzigen Regime gehen wird."

Deutschland unterstützt Unicef in Syrien mit 131 Millionen Euro

Da keine schnelle Lösung in Sicht ist, ruft das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen die Geberländer zu "planbaren, flexiblen und langfristigen Hilfszusagen" für Syrien und seine Nachbarländer auf. Acht Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs gebe es kein syrisches Kind mehr, das nicht von Gewalt und Vertreibung betroffen sei, teilte Unicef mit. 2018 gab es demnach mehr Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser in Syrien als je zuvor. Mehr als fünf Millionen Kinder bräuchten daher humanitäre Hilfe.

Besonders ernst sei die Lage in den schwer erreichbaren Gebieten des Landes, in die Hilfsorganisationen nur selten vordrängen. Dort leben nach Angaben des Kinderhilfswerks etwa 360.000 Kinder.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kündigte anlässlich der Konferenz an, Deutschland werde die Arbeit von Unicef in Syrien und im Irak 2019 mit 131 Millionen Euro unterstützen. Unter anderem fließe das Geld in Schulbildung und Ausbildung für syrische Kinder. 2018 sei so bereits 1,4 Millionen Kindern und Jugendlichen geholfen worden, darüber hinaus seien 300.000 Jungen und Mädchen mit psychologischer Hilfe unterstützt worden.

Bei der Konferenz hofft die UN auf Zusagen von fast neun Milliarden US-Dollar (knapp acht Milliarden Euro) zur Unterstützung syrischer Flüchtlinge. Demnach sind rund 5,5 Milliarden Dollar nötig, um 5,6 Millionen Menschen zu unterstützen, die in Nachbarländer wie den Libanon, Jordanien, die Türkei, den Irak oder Ägypten geflohen sind. Weitere 3,3 Milliarden Dollar sollen zur Verbesserung der humanitären Lage in Syrien eingesetzt werden.