Fünf Jahre nach dem jüngsten Militärputsch ist in Thailand ein neues Parlament gewählt worden. Die staatliche Wahlkommission in Bangkok teilte mit, dass das Lager der amtierenden Militärregierung vorn liegt. Nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen hat die Partei Phalang Pracharat (PPRP) mit Premierminister Prayut Chan-Ocha als Spitzenkandidat eine halbe Millionen Stimmen mehr als die Partei der Opposition. Genauere Zahlen will die staatliche Wahlkommission erst am Montag nennen.

Insgesamt waren in dem südostasiatischen Königreich mehr als 50 Millionen Menschen wahlberechtigt. Landesweit hatten am Sonntagmorgen 93.320 Wahllokale geöffnet, wie der Generalsekretär der Wahlkommission mitteilte. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen. Nach dem Putsch hatte Chan-Ocha zwar versprochen, die Macht binnen 18 Monaten an eine Zivilregierung zu übergeben. Doch die Parlamentswahl wurde mehrfach verschoben.

Die Wählerinnen und Wähler entschieden nun über die Verteilung der 500 Sitze im Parlament, das wiederum gemeinsam mit dem vom Militär ernannten 250 Mitglieder zählenden Senat über den Ministerpräsidenten abstimmt. Der amtierende Premierminister Prayut Chan-Ocha, der sich 2014 an die Macht geputscht hatte, will Regierungschef bleiben.

Umfrage sah Oppositionspartei vorn

In einer Umfrage, die vor der Wahl geführt und am Wahltag veröffentlicht wurde, lag allerdings die Pheu-Thai-Partei vorn. Sie war mit dem bis 2006 regierenden Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra verbündet. Den Berechnungen zufolge sollte sie fast doppelt so viele Sitze holen wie die Regierungspartei.

Beobachterinnen und Beobachter bezweifeln, dass die Wahl einen Wandel Thailands hin zur Demokratie einleiten wird. "Die Wahl könnte als Fassade für einen neuen autoritären Herrscher missbraucht werden, oder wir haben ein weiteres Mal Konflikt und Polarisierung", warnte etwa die Politikwissenschaftlerin Siripan Nogsuan von der Chulalongkorn-Universität. Im August 2016 hatte die königstreue Junta in einem umstrittenen Volksentscheid eine neue Verfassung durchgesetzt. Diese gibt der Armee unter anderem das Recht, sämtliche Mitglieder des Oberhauses zu bestimmen.

In einer unangekündigten Mitteilung des Königspalastes erinnerte König Vajiralongkorn an die Worte seines Vaters König Bhumibol Adulyadej aus dem Jahr 1969. Dieser hatte die Bevölkerung aufgerufen, "gute Leute zu unterstützen, welche die Gesellschaft führen und die schlechten Leute kontrollieren", damit letztere kein "Chaos anrichten" könnten.