Robert "Beto" O'Rourke hat sich nicht nur beim Skateboardfahren auf dem Parkplatz eines Fastfoodrestaurants filmen lassen. Selbst seinen Zahnarztbesuch dokumentierte der 46-jährige Demokrat aus dem texanischen El Paso auf Instagram. Mit viel öffentlich zelebrierter Coolness möchte O'Rourke – der in den Neunzigerjahren in einer Punkband spielte – im kommenden Jahr Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Seit Monaten war über die Kandidatur spekuliert worden. O'Rourke wurde 2016 landesweit bekannt, als er im traditionell republikanischen Texas fast die Senatswahl gegen den republikanischen Amtsinhaber und Rechtsaußen Ted Cruz gewonnen hätte. Sein Erfolgsgeheimnis damals wie heute: Eine freundliche Ausstrahlung, lockeres Auftreten und das Talent, größere Kontroversen zu umschiffen.

Trotz der derzeit aufgeheizten und von unreflektiertem Lagerdenken geprägten politischen Atmosphäre kündigte O'Rourke in seinem ersten Wahlkampfvideo am Donnerstag an, eine "positive Kampagne" fahren zu wollen, "die das Beste in uns allen zum Vorschein bringt". Außerdem versprach er, das Land vereinen zu wollen. Viele Beobachter fühlen sich durch O'Rourkes Auftreten an Barack Obama erinnert, der 2008 mit einer stark persönlichkeitszentrierten Wohlfühlkampagne das Weiße Haus eroberte. Durch vage Versprechen gelang es Obama damals, viele Wähler und Wählerinnen hinter sich zu bringen, fast ohne detaillierte politische Forderungen zu formulieren.

Seine Positionen sind noch vage

O'Rourke versucht nun ein ähnliches Kunststück. Kaum jemand weiß, wofür er politisch steht. Allgemein wird er dem moderaten Flügel der Partei zugerechnet. Während seiner sechsjährigen Abgeordnetentätigkeit im Repräsentantenhaus war er für sein bankenfreundliches Abstimmungsverhalten bekannt und fiel ansonsten wenig auf. Mit einem politischen Großprojekt ist O'Rourke bisher noch nicht an die Öffentlichkeit getreten.

In seinem Kampagnenvideo schnitt er zwar einige Themenkomplexe wie Migration, Klimawandel und das Gesundheitssystem an, ohne jedoch konkreter zu werden. So will O'Rourke zum Beispiel sicherstellen, "dass jeder Amerikaner einen Arzt aufsuchen kann". Das kann theoretisch allerdings jetzt schon jeder US-Bürger, wenn er den Arztbesuch bezahlen kann oder krankenversichert ist – und es einen Arzt in der Nähe gibt. Bei Millionen US-Bürgern und vor allem auch bei vielen illegalen Einwanderern ist das nicht der Fall. Während andere Kandidaten weitreichende Reformvorschläge des Gesundheitssystems bis hin zu einer allgemeinen staatlichen Krankenversicherung vorgestellt haben, bleibt O'Rourke vage.