Nach scharfer Kritik an seinen Äußerungen zu dem gestorbenen US-Studenten Otto Warmbier hat US-Präsident Donald Trump von einem Missverständnis gesprochen. Auf Twitter schrieb Trump: "Selbstverständlich mache ich Nordkorea für Ottos Misshandlung und Tod verantwortlich." Dass er Kim Jong Un verantwortlich mache, sagte er jedoch nicht – darum war es bei der Kritik aber gegangen.

Der Präsident ließ verlauten, er werde nicht gern missverstanden und vor allem nicht im Fall von Otto Warmbier und seiner großartigen Familie. Man solle sich erinnern, dass er es gewesen sei, der für Warmbiers Freilassung aus Nordkorea gesorgt habe. Warmbier sei jedoch nicht umsonst gestorben, schrieb Trump weiter, er sei zu einem Symbol für Leidenschaft und Stärke geworden. "Ich liebe Otto und denke oft an ihn", endete der US-Präsident seine Mitteilung.

Warmbier war Anfang 2016 nach einer Gruppenreise in Nordkorea bei der Ausreise festgenommen und wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" – dem angeblichen Diebstahl eines Propagandaposters – zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 2017 starb er. Er hatte damals bereits 15 Monate lang im Koma gelegen. Ein US-Gericht kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige in Nordkorea gefoltert worden war. 

Trump hatte nach dem Gipfeltreffen in Vietnam gesagt, er gehe davon aus, dass Kim Jong Un nichts von Warmbiers Inhaftierung wusste. "Er sagt mir, dass er nichts davon wusste, und ich werde ihn beim Wort nehmen." Es sei furchtbar, was geschehen sei. "Ich glaube wirklich, dass ihm (Warmbier) etwas Furchtbares geschehen ist, und ich glaube wirklich nicht, dass die oberste Führung davon etwas wusste." 

Bis zum Beginn der Gespräche über eine Denuklearisierung Nordkoreas hatte Trump die Führung in Pjöngjang in dem Fall scharf angegriffen. Dass er nun Kims Angaben Glauben zu schenken scheint, sorgte in den USA parteiübergreifend für empörte Reaktionen.

Verantwortlich seien "Kim und sein teuflisches Regime"

Warmbiers Eltern, Fred und Cindy Warmbier, widersprachen Trump in einem Statement: "Kim und sein teuflisches Regime sind für den Tod unseres Sohnes Otto verantwortlich. Keine Ausreden oder überschwängliches Lob können daran etwas ändern."

Das Ehepaar Warmbier hat Nordkorea wegen "brutaler Folter und Mord" verklagt. Ein US-Gericht entschied im Dezember 2018, dass Nordkorea den Eltern mehr als 500 Millionen US-Dollaer Schadensersatz bezahlen müsse. Sie werfen der Regierung von Machthaber Kim Jong Un vor, Otto Warmbier als Geisel genommen und als politischen Gefangenen misshandelt zu haben. Dass Nordkorea die Summe bezahlen wird, gilt als unwahrscheinlich, da es keine rechtlichen Mechanismen zur Durchsetzung der Forderung gibt. 

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, die Familie Warmbier verlange mehr als 500 Millionen US-Dollar von Nordkorea. Tatsächlich wurde diese Schadenersatzsumme von einem Gericht festgelegt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.