Während des Machtkampfs in Venezuela und der internationalen Spannungen hat die US-Justiz Präsident Nicolás Maduros ehemaligen Stellvertreter angeklagt. Tareck El Aissami habe seine Machtposition ausgenutzt, um eine wichtige Rolle im internationalen Drogenschmuggel zu spielen, sagte Angel Melendez von der New Yorker Zoll- und Einwanderungsbehörde. Der Staatsanwalt Geoffrey Berman warf dem Ex-Vizepräsidenten zudem vor, gegen Sanktionen des US-Finanzministeriums verstoßen zu haben, indem er etwa US-Firmen für die Bereitstellung von Privatjets angeheuert habe. Der Beihilfe zum internationalen Drogenhandel wird auch ein venezolanischer Geschäftsmann beschuldigt.

Die USA hatten El Aissami schon vor zwei Jahren auf eine schwarze Liste gesetzt und sein Vermögen in den USA eingefroren. Damals hieß es, er kontrolliere von Venezuela aus Drogenrouten nach Mexiko und in die USA und habe auch Drogengeschäfte in Venezuela koordiniert. El Aissami weist die Vorwürfe zurück.

Das Amt des Vizepräsidenten bekleidete er von Anfang 2017 bis Juni 2018; damals galt er als möglicher Nachfolger von Präsident Maduro. In der aktuellen Regierung, die von der Opposition nicht mehr anerkannt wird, ist er Minister für Industrie und nationale Produktion. Er ist der ranghöchste Regierungsvertreter Venezuelas im Visier der US-Justiz.

El Aissami sei gut beraten, es sich zwei Mal zu überlegen, ehe er sein Land verlasse, da er sich in New York vor Gericht verantworten müsse, sagte Melendez. Im Falle einer Verurteilung in den insgesamt fünf Anklagepunkten drohen El Aissami bis zu 150 Jahre Haft.