Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó ist nach rund eineinhalb Wochen ins Land zurückgekehrt, um neue Proteste gegen Präsident Nicolás Maduro anzuführen. Auf dem Flughafen in Maiquetía nahe der Hauptstadt Caracas wurde er von zahlreichen Anhängern in Empfang genommen, wie das venezolanische Fernsehen zeigte. Maduro hat mit seiner Festnahme gedroht, da Guaidó trotz eines Ausreiseverbotes Ende Februar das Land verlassen hatte.

"Wenn das Regime versucht, mich zu verschleppen, sind die weiteren Schritte klar: Demonstrationen, Zusammenarbeit mit unseren internationalen Verbündeten, mit Parlamentariern auf der ganzen Welt", sagte der 35-Jährige in einem auf Twitter veröffentlichten Video. Im ganzen Land gingen wieder Tausende Menschen für Guaidó auf die Straße. "Wir werden auf den Straßen weitermachen, die Mobilisierung dauert an", rief Guaidó bei seiner Ankunft. "Wir kennen die Risiken. Das hat uns noch nie aufgehalten."

Neben seinen Anhängern waren auch die Botschafter mehrerer EU-Länder, auch Deutschlands, am Flughafen zur Begrüßung Guaidós versammelt. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte die venezolanische Regierung davor gewarnt, Guaidó bei seiner Rückkehr festzunehmen. US-Vizepräsident Mike Pence schrieb auf Twitter: "Die sichere Rückkehr von Juan Guaidó nach Venezuela hat für die USA höchste Bedeutung. Jede Art von Bedrohung, Gewalt oder Einschüchterung gegen ihn wird nicht toleriert. Die Welt schaut zu."

In Caracas jubelten Guaidó zahlreiche Anhänger zu. "Guaidó – Freund. Das Volk steht an deiner Seite", skandierten die Regierungsgegner. Für Dienstag kündigte der Oppositionsführer ein Treffen mit den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes an, für den kommenden Samstag rief er seine Anhänger erneut zu Protesten auf. "Wir sind stärker als jemals zuvor", rief Guaidó. "Die Diktatur muss verstehen, dass wir stärker sind als jemals zuvor."

Versuche, Hilfsgüter ins Land zu bringen, scheiterten

In den vergangenen Tagen war Guaidó durch die Region gereist und hatte in Brasilien, Kolumbien, Argentinien, Ecuador und Paraguay um Unterstützung für seine Gegenregierung geworben. Zahlreiche Länder, darunter auch die USA und Deutschland, haben ihn bereits als rechtmäßigen Übergangsstaatschef anerkannt. Guaidó will Maduro aus dem Amt drängen und Neuwahlen organisieren. Maduro kann sich allerdings noch immer auf die Unterstützung des mächtigen Militärs stützen.

Maduro betrachtet Guiadó als Teil eines von Washington gestützten Plans, seine Regierung zu stürzen. Er hatte die Venezolaner aufgerufen, am Montag und Dienstag friedlich und glücklich Karneval zu feiern. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez ging der Frage aus dem Weg, ob Guaidó eine Festnahme bevorstehe. In einem Interview mit dem staatlichen russischen Fernsehsender RT sagte sie, Guaidó habe das Gesetz gebrochen und sei "ein Venezolaner, der sich mit ausländischen Regierung verschworen habe, um die verfassungsgemäße Regierung umzustürzen".

Guaidó hatte sich am 23. Januar zum Interimspräsidenten erklärt und Maduro damit offen herausgefordert. Zuletzt scheiterte sein Versuch, Hilfsgüter von Kolumbien und Brasilien aus nach Venezuela zu bringen. An den Grenzübergängen kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Oppositionsanhängern und Sicherheitskräften. Dabei wurden mehrere Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Das ölreichste Land der Welt leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann Venezuela kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, mehr als drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.