Chinas Präsident Xi Jinping ist in Paris mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammengekommen. Jinping wurde von Macron mit militärischen Ehren am Triumphbogen empfangen, zudem legten beide Präsidenten Blumen am Grab des unbekannten Soldaten nieder. Schwerpunkt des Treffens waren Wirtschaftsverträge in Milliardenhöhe. Neben Abmachungen in der Energie- oder der Transportbranche erhielt der europäische Flugzeugbauer Airbus einen Großauftrag der chinesischen Regierung über 290 Mittelstreckenjets aus der A320-Familie und zehn Langstreckenjets der A350-Reihe.

Angesichts des Deals sprach Macron vor Journalistinnen und Journalisten von einem "exzellenten Signal". Über den Wert der Bestellung wurde offiziell nichts bekannt. Laut Airbus-Preisliste läge die Summe vermutlich bei mehr als 30 Milliarden US-Dollar. Wegen branchenüblicher Rabatte dürfte der tatsächlich vereinbarte Kaufpreis aber deutlich niedriger ausfallen.

Schon länger war über ein größeres Airbus-Geschäft mit China spekuliert worden. Bei einem Staatsbesuch in China im Januar 2018 hatte Frankreichs Präsident angekündigt, China beabsichtige den Kauf von 184 Jets aus der A320-Familie. Seitdem war über den Stand der weiteren Verhandlungen aber kaum etwas an die Öffentlichkeit gedrungen.

Macron will Wirtschaftsbeziehungen, die "beiderseitige Interessen respektieren"

Frankreichs Staatschef sprach sich für Wirtschaftsbeziehungen aus, "die unsere beiderseitigen Interessen respektieren". Chinas Versuche, mit Investitionen und Firmenübernahmen auch auf dem europäischen Markt stärker Fuß zu fassen, haben in vielen EU-Staaten Sorgen ausgelöst. Kritiker befürchten, dass China so seinen Einfluss auf die Weltwirtschaft ausweiten könnte.

So hatte Jinping vor seinem Besuch in Frankreich schon in Rom Wirtschaftsverträge unterzeichnet. Italien beteiligt sich als erster der sieben führenden Industriestaaten (G7) an dem von China vorangetriebenen Infrastruktur- und Handelsprojekt Neue Seidenstraße. Andere EU-Staaten wollen sich an dem Projekt nicht direkt beteiligen, doch Macron stellte China eine Zusammenarbeit bei konkreten Vorhaben in Drittländern entlang der Seidenstraße in Aussicht. Dabei müssten internationale Normen eingehalten werden. China will mit der umstrittenen Infrastrukturinitiative neue Handelswege nach Afrika, Europa oder Lateinamerika erschließen.

China wirbt für geeintes Europa

Macron betonte beim Besuch von Chinas Staatschef außerdem die Stärke der EU im Verhältnis zu Peking. Es gehe dabei unter anderem um einen "starken Multilateralismus", also die Stärkung internationaler Institutionen und Abkommen, sagte Macron nach dem Treffen mit Xi. Der Klimaschutz sei dabei besonders wichtig. Er habe mit Xi aber auch die Frage der Grundrechte in China angesprochen. Es gebe Anlass zur Besorgnis, sagte Macron, ohne dabei ins Detail zu gehen.

Xi sagte, China liege viel an einem starken Europa. "Ein geeintes, blühendes Europa entspricht unserer Vision einer multipolaren Welt", sagte er. Über das Seidenstraßen-Vorhaben sagte Xi, das übergeordnete Ziel sei eine "harmonische Koexistenz der gesamten Menschheit".

Am Dienstagmorgen wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Macron und Xi in Paris treffen, um mit ihnen und mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der ebenfalls nach Frankreich reisen wird, den EU-China-Gipfel Anfang April vorzubereiten. Bei dem Gipfel wollen Merkel und Macron einerseits versuchen, die EU-Staaten auf einen einheitlicheren Kurs gegenüber China zu bringen, andererseits soll die EU-Kommission davon überzeugt werden, stärker die Interessen der Mitgliedsstaaten zu vertreten.