Anders als in den beiden Vorjahren sind in Afghanistan zu Jahresbeginn erstmals mehr Zivilisten durch Truppen der USA und ihrer Verbündeten getötet worden als durch die Taliban und andere Rebellengruppen. Dies geht aus dem vierteljährlichen Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) hervor. Demnach waren internationale und regierungstreue Truppen zwischen Januar und Ende März für den Tod von 305 Zivilisten verantwortlich. Aufständische töteten demnach im selben Zeitraum 227 Menschen.

Die meisten Menschen starben Unama zufolge durch Luftangriffe oder Suchaktionen am Boden. So fliegt das US-Militär deutlich mehr Einsätze, seit US-Präsident Donald Trump 2017 die Bombardierung von Positionen der Taliban durch US-Kampfflugzeuge erleichtert hat. Die von den USA unterstützten afghanischen Truppen agierten bei ihren Razzien offenbar in einem rechtsfreien Raum, heißt es in dem Bericht.

Der jüngste Bericht zeigt auch, dass die Zahl der zivilen Opfer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt um 23 Prozent gesunken ist. Unama dokumentierte im ersten Quartal 1.773 zivile Opfer, darunter 581 Tote und 1.192 Verletzte. Grund für die niedrigeren Zahlen ist den Angaben zufolge vor allem der Rückgang an Selbstmordanschlägen. Unklar sei, ob dies am harten Winter liegt, auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen zurückgeht oder eine Strategie der Taliban während der laufenden Friedensgespräche ist.

Unama erfasst seit 2009 Daten zu zivilen Opfern im Afghanistankrieg, wobei im vergangenen Jahr ein neuer Höchststand erreicht wurde. 2018 wurden bei Anschlägen und Gefechten 3.804 Zivilisten getötet und 7.189 weitere verletzt. Das waren elf Prozent mehr als 2017.