Das algerische Parlament hat nach dem Rücktritt des langjährigen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika einen kommissarischen Übergangspräsidenten benannt. Das gab das algerische Staatsfernsehen bekannt. Demnach bestätigten die beiden Kammern des Parlaments mit großer Mehrheit Abdelkader Bensalah als Interimspräsidenten.

Der 77-jährige Bensalah ist seit mehr als 16 Jahren Präsident der oberen Parlamentskammer. Er ist laut der algerischen Verfassung verantwortlich für die Übergangsphase. Innerhalb der kommenden 90 Tage muss er Neuwahlen für das Amt des Präsidenten durchführen. Bensalah selbst darf bei der Präsidentschaftswahl nicht kandidieren.

Es sei seine Pflicht, den Übergang in Algerien verantwortungsvoll zu gestalten, teilte Bensalah mit. Dieser solle dem algerischen Volk erlauben, seine Souveränität auszuüben.

Bensalah gilt als Vertrauter von Ex-Präsident Bouteflika. Der 82-Jährige hatte Anfang April seinen Rücktritt eingereicht, nachdem in den vergangenen Wochen landesweit Menschen bei Massenprotesten seine Demission gefordert hatten. Auch das Militär hatte Bouteflika daraufhin seine Unterstützung entzogen.

Die meisten oppositionellen Abgeordneten enthielten sich bei der Wahl für den neuen Übergangspräsidenten der Stimme. Nach der Entscheidung des Parlaments gingen außerdem erneut algerische Studenten in der Hauptstadt und in anderen Städten Algeriens auf die Straße. Viele Demonstranten sehen in Bensalah einen Vertreter der alten Politikelite und fordern die Absetzung der gesamten politischen Führungsriege. Die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.