In Algerien haben am achten Freitag in Folge Hunderttausende Menschen für politische Veränderungen demonstriert – dem Rücktritt des langjährigen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika zum Trotz. Viele Protestler fordern, dass auch der Kreis um das ehemalige Staatsoberhaupt entmachtet wird. In Onlinenetzwerken war zu Kundgebungen unter dem Motto "Sie werden alle gehen" aufgerufen worden.

Der Protest blieb großteils friedlich. In der Hauptstadt Algier kam es allerdings zu Zusammenstößen, als die Polizei versuchte, den zentralen Audin-Platz zu räumen. Einige Demonstranten sollen Steine und Flaschen auf Polizisten geworfen haben, die wiederum Tränengas und Gummigeschosse einsetzten. 27 Beamte wurden verletzt. Mehr als 100 Personen wurden nach Polizeiangaben festgenommen.

Das Parlament hatte mit dem 77-jährigen Abdelkader Bensalah einen Weggefährten Bouteflikas zum Übergangspräsidenten ernannt. Bensalah kündigte "transparente" Präsidentenwahlen für den 4. Juli an. Demonstranten bemängeln aber, Wahlen könnten innerhalb des Systems, zu dem bislang auch Bouteflika gehört habe, weder frei noch fair sein.

Der prominente Oppositionelle Mustapha Bouchachi betonte auf einer Kundgebung, dass die Forderungen der Demonstranten noch nicht erfüllt seien. "Das Volk ist eindeutig: Die aktuelle Übergangsphase muss von Männern und Frauen geleitet werden, die vom algerischen Volk akzeptiert werden." Armeechef Ahmed Gaïd Salah wies dagegen die "unrealistischen Slogans" der Protestbewegung zurück.