Nach den Anschlägen auf mehrere Hotels und Kirchen in Sri Lanka hat die Regierung Entlassungen und Umstrukturierungen bei den Sicherheitsbehörden angekündigt. Staatspräsident Maithripala Sirisena teilte am späten Dienstagabend in einer Fernsehansprache mit, die Führungen der Polizei und anderer Sicherheitskräfte binnen 24 Stunden vollständig umzubauen. Sirisena begründete die drastische Maßnahme damit, dass Hinweise auf die Anschlagspläne nicht an die Regierung weitergegeben worden seien. Über die mögliche Gefahr eines Terroranschlags in seinem Land sei er ebenso im Dunkeln gelassen worden wie der Rest der Regierung. Er werde entschlossen gegen jene vorgehen, die ihm und anderen entsprechende Geheimdienstinformationen vorenthalten hätten.

Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu zeitgleich in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und einer Wohngegend in Vororten Colombos. Bei den Anschlägen sind nach derzeitigen Angaben mindestens 359 Menschen gestorben. Nach Angaben der Polizei sind 38 Menschen in der Nacht zum Mittwoch in Krankenhäusern ihren Verletzungen erlegen. Mehr als 500 Menschen würden noch behandelt – manche seien weiterhin in kritischem Zustand.

Die drei Kirchen

Unter den Opfern sind laut Außenministerium 34 Ausländer, 14 werden noch vermisst.

Vor den Attacken hatte es Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppen gegeben, teilte Regierungssprecher Rajitha Senaratne mit. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. Die Informationen stammten aus Indien, wie Premierminister Ranil Wickremesinghe bekanntgab. "Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid", sagte Senaratne im Namen der Regierung.

Auch Vizeverteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach vor dem Parlament von "Schwäche" innerhalb des Sicherheitsapparates. Dadurch seien die Anschläge nicht verhindert worden. "Inzwischen ist festgestellt worden, dass der Anschlag Geheimdiensteinheiten bekannt war und eine Gruppe verantwortlicher Personen über den bevorstehenden Anschlag informiert war", sagte er. "Diese Information wurde jedoch nur unter wenigen Beamten geteilt."

Mehrere andere Minister hatten bereits kritisiert, dass Premierminister Ranil Wickremesinghe zuletzt nicht zu Sitzungen des Sicherheitsrates der Regierung eingeladen worden sei. Hintergrund sind Spannungen zwischen den in einer Koalition regierenden Parteien von Wickremesinghe und Staatspräsident Sirisena. Sirisena wollte Wickremesinghe Ende vergangenen Jahres entlassen, Wickremesinghe konnte sich im Machtkampf aber behaupten und blieb im Amt.      

Zahl der Festgenommenen auf 60 gestiegen

Als Konsequenz aus den Anschlägen gelten seit Dienstag Notstandsbestimmungen in Sri Lanka. Diese räumen den Sicherheitskräften nach Angaben von Sirisenas Büro weitreichende Befugnisse ein. Solche Bestimmungen waren während des Bürgerkriegs in Sri Lanka 1983 bis 2009 fast dauerhaft in Kraft – und teilweise auch darüber hinaus noch bis 2011. Zudem hat die Regierung die meisten sozialen Netzwerke blockiert, nach eigenen Angaben um die Verbreitung von Falschnachrichten zu verhindern.   

Im Zuge der Aufklärung der Terrorangriffe nahm die Polizei 18 weitere Verdächtige fest. Damit stieg die Zahl der Festgenommenen auf 60, es seien alle Sri-Lanker. Wie der Verteidigungsminister in einer Pressekonferenz mitteilte, geht die Polizei von insgesamt neun Selbstmordattentätern aus. Acht Personen seien bereits identifiziert worden. Den Anschlag auf das Shangri-La-Hotel habe der Anführer der lokalen islamistischen Gruppe verübt; einer der Selbstmordattentäter hat dem Verteidigungsminister zufolge in Großbritannien und Australien studiert.

Die drei Luxus-Hotels

Premierminister Wickremesinghe hatte am Dienstag erklärt, es seien noch Verdächtige auf der Flucht, von denen manche im Besitz von Sprengstoff seien. Angaben dazu, ob diese unter den zuletzt Festgenommenen waren, gab es zunächst nicht. Dass auch ein syrischer Staatsbürger unter ihnen war, wie die Polizei zunächst mitgeteilt hatte, dementierte Wickremesinghe. Er bestätigte aber einen Bericht, wonach es einen Anschlagsversuch auf ein weiteres Fünf-Sterne-Hotel gegeben hatte, der fehlschlug. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet außerdem, dass die Polizei eine kontrollierte Explosion in der Nähe des Savoy-Kinos in Colombo durchgeführt habe.