Ganz anders sieht es in Thailand und Myanmar aus. In Thailand haben die Militärs in den Wahlen am 24. März ihre Macht gesichert; in Myanmar, das nächstes Jahr wählt, wird die Armee im Hintergrund der – ein Stück weit verblassten – Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi weiterhin das Sagen haben.

Auf gewaltsame Weise vollziehen sich derzeit die Machtwechsel anderswo. Im Sudan haben die Streitkräfte den seit 30 Jahren regierenden Despoten Omar al-Baschir abgesetzt. In Algerien erzwang der Generalstabschef den Rücktritt des seit zwei Jahrzehnten herrschenden Abdelaziz Bouteflika, gegen den seit Monaten Hunderttausende demonstriert hatten. In Libyen sollte in diesen Tagen eine Friedenskonferenz der Volksvertreter die Spaltung des in Chaos und Anarchie versinkenden Landes überwinden, doch eröffnete der selbst ernannte Feldmarschall Kalifa Haftar mit seinem Vormarsch auf die Hauptstadt Tripolis eine neue Schlacht im Bürgerkrieg. In Venezuela ist nicht auszuschließen, dass das Kräftemessen zwischen dem brutal regierenden Präsidenten Nicolas Maduro und dem Parlamentspräsidenten Juan Guaidó, der sich im Januar zum Interimspräsidenten ausrief, am Ende brutal vom Militär entschieden wird.

Ich bin nicht überzeugt, dass Robert Kagan recht hat, wenn er sagt, heute sei der Autoritarismus, der uns von draußen bedroht, die gefährlichste Herausforderung der demokratischen Welt. Die größte Bedrohung kommt doch wohl von innen. Trumpismus, der Brexit-Irrsinn, die Einschränkung der Rechtsstaatlichkeit in Ungarn, Polen oder Rumänien, Medienschelte und Medienverbote, nicht nur in der Türkei, dazu die entfesselte Aufgeregtheit der sozialen Medien – sie bedrohen die Stabilität und Überlebensfähigkeit unserer Demokratien weit mehr als alle Auslassungen und Eingriffe Wladimir Putins oder Xi Jinpings. Nur die Demokraten können die Demokratie zerstören.

Francis Fukuyama hat längst eingesehen, dass es kein Ende der Geschichte gibt. An seiner Hegelschen Grundidee, dass die Entwicklung der Menschheit gesetzmäßig zum Höheren verläuft, hält er fest, doch die Geschichte widerlegt sie. Wer Trost suchte in der Vorstellung, dass die Gewalt abnehme, die Brutalität der Staaten zurückgehe, dass Folter, Antisemitismus, Genozid, Konzentrationslager für immer verschwänden, nicht zuletzt: dass die Demokratie als höchste und menschlichste Stufe politischer Organisation Unanfechtbarkeit erreiche, kommt um die Erkenntnis nicht herum: Sie war eine Illusion. Im Fortgang der Geschichte kann auch alles Schlimme erneut wiederkehren, Rückfälle sind immer möglich. Die liberale Welt, die Demokratie, die humane Gesellschaft muss täglich neu erkämpft werden. Sie ist den Kampf wert.