Viel ist nicht mehr übrig von Trumps ursprünglichem Kabinett. Nachdem der Präsident am Sonntag per Tweet  seine Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen verabschiedet hatte, musste nun Randolph D. Alles, der Chef des Secret Services, gehen. Auch Lee Francis Cissna, der Chef der amerikanischen Einbürgerungs- und Einwanderungsbehörde, sowie John Mitnick, Leiter der Rechtsabteilung, werden wohl bald gehen müssen.

Trumps Verschleiß ist hoch. Mehr als 30 hochrangige Mitglieder hat er innerhalb seiner 27-monatigen Amtszeit eingestellt und wieder entlassen. Oftmals zoffte sich der Präsident mit seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen über Wirtschaft, mal über Außenpolitik. Im Fall von Heimatschutzministerin Nielsen war es die Einwanderungsfrage. Für Trump war Nielsen nicht mehr "tough" genug.

Dabei war es ausgerechnet Nielsen, die vergangenen Sommer anordnete, rund 3.000 Familien an der mexikanischen Grenze auseinanderzureißen. Stets verteidigte sie dabei Trump. Die vom Präsidenten angedrohte Grenzschließung wollte sie allerdings nicht mehr mittragen. Stattdessen erinnerte sie ihn an die geltenden Gesetze.

Trump braucht neue Hardliner

Vorerst wird Kevin McAleenan das Ministerium kommissarisch übernehmen. Der Chef der Grenzschutzpolizei kennt die Lage vor Ort. Als Fachmann genießt McAleenan parteiübergreifend Respekt. Es sei sein Job, Recht und Gesetz durchzusetzen. "Die Belastungsgrenze ist erreicht", sagte er Ende März, als die Behörden rund 4.100 Einwanderer aufgegriffen hatten – die höchste Zahl an einem Tag seit mehr als einem Jahrzehnt.

Trump will die Einwanderung in den Mittelpunkt seines nächsten Wahlkampfes rücken. Doch anders als die Geschasste Nielsen ist McAleen kein Hardliner, er gilt unter Demokraten als Pragmatiker und ist mit einer Einwanderin aus El Salvador verheiratet. Unstimmigkeiten mit Trump könnten daher auch ihn schnell den Job kosten: "Trump sucht nach Leuten, die die strengsten und aggressivsten Ansätze seit den Zwanzigerjahren vertreten", sagte Historiker Timothy Naftali der LA Times. Der Professor der New York University prophezeit: "Er wird die Leute so lange durchrotieren, bis er jemanden findet, der seine grausame Vision umsetzt."

Der wohl heißeste Kandidat für diesen Posten steht schon bereit: Stephen Miller, Trumps persönlicher Redenschreiber. Der ultrarechte Nationalist unterstützt den Präsidenten seit Jahren im Wahlkampf und während sich manche von Trumps Helfern daran machen, den Präsidenten einzuhegen, gilt für Miller das Gegenteil. Er ist Trumps Brandbeschleuniger. Mit seinen kontroversen Forderungen zählt er zum West Wing, dem ultrarechten Flügel, der selbst einigen Republikanern zu radikal ist. Er sei es, der den Hass in Trumps Reden bringe, sagen Kritiker.

Der Einflüsterer des Präsidenten

Der 33-Jährige gilt als geschulter Rhetoriker. Er ist auch der ideologische Architekt hinter Trumps Abschottungspolitik. Vor zwei Jahren soll er den Einreisestopp für Muslime, den Trump kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten per Exekutivdekret in Kraft gesetzt hatte, mitentworfen haben. Als Einpeitscher der rechten Szene streitet er leidenschaftlich für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko und gegen das permanente Aufenthaltsrecht illegaler Einwanderer, die als Kinder in die USA kamen.

Dabei stammt Miller selbst aus einer jüdischen Einwandererfamilie. Seine Großeltern flohen Anfang des 19. Jahrhunderts vor den antisemitischen Pogromen in Belarus in die USA, wo Miller schließlich in Santa Monica aufwuchs. Während seiner Schulzeit spielte er den Querulanten, klagte über seine liberale Highschool und wetterte gegen die politische Korrektheit. Zu Unterrichtsbeginn stellte er sich jeden Morgen neben seinen Pult, legte die Hand aufs Herz und beschwor die Liebe zu seinem Vaterland, berichtet die LA Times.

"Osama bin Laden würde sich hier sehr wohlfühlen"

Wie die New York Times berichtet, soll Miller seinem Mitschüler in der neunten Klasse die Freundschaft gekündigt haben, weil er Latino war. Als die Immobilienfirma seiner Eltern pleiteging, sie ihr Haus verloren und die Familie in eine preiswertere Gegend zog, begann sich Miller für Waffen zu interessieren. Schnell lernte er die Thesen radikaler Waffenlobbyisten um Wayne LaPierre kennen.

Während seines Studiums an der renommierten Duke University wurde die hochschuleigene Zeitschrift The Chronicle seine Plattform. In regelmäßigen Gastbeiträgen empört er sich über das moderne Rollenbild der Frau, die Unterstützung Homosexueller und die Ausgabe von Kondomen an Minderjährige. Die Artikel im Chronicle sind es auch, in denen er sich erstmals öffentlich als überzeugter Konservativer outet. Seine Uni bezeichnete er als "Indoktrinierungsmaschine". "Osama bin Laden würde sich hier sehr wohlfühlen", schrieb er später über seine Schule.