EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger hat davor gewarnt, dass Europa wegen des Brexit-Streits gegenüber China ins Hintertreffen gerät. "Europa ist gelähmt", sagte der CDU-Politiker der Zeitung Die Welt. Seit mehr als zwei Jahren beschäftige sich die EU mit dem Brexit. "Das kostet Zeit und Mühe, Nerven und Geld. Dabei gibt es so viel zu tun, was wichtiger wäre. Damit machen wir andere stark. Größter Gewinner ist dabei China."

Die Regierung der Volksrepublik bringe ihre Strategie unbeirrt voran und stoße überall auf der Welt in die Lücken, die Europa nicht füllen könne, weil es so sehr mit sich selbst beschäftigt sei, sagte Oettinger. Als Beispiele nannte er den Bereich der künstlichen Intelligenz und den Mobilfunknetzstandard 5G.

"Dass wir der Musik hinterherlaufen, ist unbestritten", sagte der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Europa habe aber "noch Chancen". Von Großbritannien forderte der EU-Kommissar eine klare Positionierung vor dem EU-Sondergipfel am kommenden Mittwoch. "Bis zum 10. April müssen die Briten endlich wissen, was sie wollen und eben nicht nur, was sie alles nicht wollen."

Die britische Premierministerin Theresa May sagte am Wochenende, sie glaube nicht, dass ihr schon dreimal vom Unterhaus abgelehnter Brexit-Vertrag "in der nahen Zukunft" eine Mehrheit finden wird. Es sei nun an den Abgeordneten der Opposition, sie bei der Kompromisssuche zu unterstützen. Es gebe viele Dinge, in denen sie mit der Labour-Partei nicht übereinstimme, sagte May. Aber beim Brexit gebe es "einige Punkte, in denen wir uns einig sind".