Frankreichs früherer Premierminister François Fillon muss sich wegen der mutmaßlichen Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau Penelope vor Gericht verantworten. Pariser Richter hätten einen Prozess angeordnet, berichtete die Zeitung Le Monde unter Berufung auf das 150-seitige Schreiben. Dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der konservativen Partei Die Republikaner wird darin unter anderem die Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Seine Frau muss sich als Komplizin verantworten.

Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest, dem Bericht zufolge könnte das Verfahren aber Ende des Jahres eröffnet werden. Das Paar hat die Möglichkeit, die Vorladung anzufechten.

Fillon soll seine aus Großbritannien stammende Ehefrau Penelope als Abgeordneter acht Jahre lang zum Schein beschäftigt haben. Penelope habe ihrem Mann und seinem Nachfolger in der Pariser Nationalversammlung als parlamentarische Assistentin gedient und dabei insgesamt eine halbe Million Euro verdient – ohne dass sie tatsächlich gearbeitet hätte, so der Vorwurf der Ermittler. Der größte Teil des Geldes soll aus der Staatskasse gezahlt worden sein – auch noch nach 2007, als Fillon Premierminister wurde. Außerdem soll sie 100.000 Euro von einer Zeitschrift bekommen haben, die einem Freund ihres Mannes gehörte. Der damalige Redaktionsleiter bezweifelte, dass sie für das Magazin gearbeitet habe.

Die Fillon-Affäre war vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich im Frühjahr 2017 bekannt geworden. Sie hatte den lange Zeit als Favoriten gehandelten Konservativen den Sieg gekostet. Fillon war von 2007 bis 2012 Premier unter Präsident Nicolas Sarkozy.