Angesichts des weltweit zunehmenden Nationalismus wollen Deutschland und Frankreich gezielt die globale Kooperation fördern. Dazu riefen Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein französischer Kollege Jean-Yves Le Drian am Dienstag in New York eine "Allianz der Multilateralisten" ins Leben. Es gehe darum, "den Kern der regelbasierten Ordnung zu erhalten und ein 'Jeder gegen Jeden' unbedingt zu vermeiden", sagte Maas bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Le Drian. Themen des neuen Netzwerks könnten etwa Abrüstung, der Schutz der Menschenrechte sowie der Kampf gegen Ungleichheit und den Klimawandel sein.

Der Bundesaußenminister hatte schon im vergangenen Juli die Initiative für eine "Allianz der Multilateralisten" ergriffen. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen sind bisher etwa 15 weitere Staaten dabei – neben Frankreich auch Kanada und Japan, die sich besonders für das Projekt engagierten, sowie Großbritannien, Indien, Indonesien, Mexiko und Australien. Maas sprach von einem Zusammenschluss von "überzeugten Teamplayern".

In welcher Form das Netzwerk aktiv werden wird, ist noch unklar. Am Dienstag gab es ein erstes Arbeitsmittagessen. Le Drian kündigte an, die Allianz wolle am Rande der UN-Vollversammlung im September auf Ministerebene zusammenkommen und dabei auch erste Initiativen präsentieren.

USA sind willkommen – theoretisch

Auf die Frage eines Journalisten, ob auch die USA eingeladen seien, sagte Maas, er habe "noch nicht" mit US-Präsident Donald Trump über das Projekt gesprochen. Es werde aber keinem interessierten Land "die Tür vor der Nase zugeschlagen", sagte Maas. Im Gegenteil: Die Initiatoren wären froh, wenn sich die USA der neuen Allianz anschließen würden. "Letztlich muss das jeder selbst entscheiden, auf welcher Seite er dabei steht." US-Präsident Donald Trump betreibt seit mehr als zwei Jahren eine Außenpolitik unter dem Motto "Amerika zuerst", hat mehrere internationale Abkommen aufgekündigt und internationale Organisationen infrage gestellt.

Le Drian sagte: "Das Ganze richtet sich nicht gegen jemanden, es sei denn, es handelt sich um jemanden, der gegen Multilateralismus vorgeht." Die Multilateralisten seien eine Mehrheit, die lange geschwiegen habe, weil sie davon ausgegangen sei, dass der Multilateralismus etwas Selbstverständliches sei. "Das ist aber heute nicht mehr der Fall", betonte der französische Außenminister. Internationale Institutionen wie die UN und deren Prinzipien würden immer stärker infrage gestellt, sagte er. Dabei sei internationale Zusammenarbeit "die beste Garantie für dauerhaften Frieden", mahnte er. Die Staaten, die an der UN festhielten, seien in der Mehrheit, was aber nicht immer öffentlich sichtbar werde. Daher müssten diese Länder "ihre Kräfte einen".