Bei der Präsidentenwahl in Indonesien zeichnet sich ein klarer Sieg des amtierenden Staatschefs Joko Widodo ab. Nach ersten Prognosen kann der 57-Jährige mit 54 bis 56 Prozent der Stimmen rechnen. Für seinen Gegenkandidaten, den früheren General Prabowo Subianto, wurden von verschiedenen Meinungsforschungsinstituten etwa 44 Prozent ermittelt. Damit liegt Widodo bis zu zwölf Prozentpunkte vor seinem 67-jährigen Herausforderer.

In Indonesien – der drittgrößten Demokratie der Welt – waren insgesamt 193 Millionen Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, ihre Stimme abzugeben. Gewählt wurde nicht nur ein neuer Präsident, sondern ein neues nationales Parlament sowie die Vertretungen in den Kommunen. Alle amtlichen Endergebnisse sollen im Mai vorliegen.

Wahlkampf gegen die "Jakarta-Elite"

Einst als "indonesischer Obama" gefeiert, hat Joko Widodo von der Demokratischen Partei des Kampfes Indonesiens (PDI-P) inzwischen viele Menschen enttäuscht. Im Wahlkampf versprach er gewaltige Investitionen in die Infrastruktur des Landes – etwa dem Bau von Straßen und Flughäfen sowie einer U-Bahn für Jakarta. Sein Gegner Subianto positionierte sich als Mann des Volkes mit dem Versprechen, sich der "Jakarta-Elite" entgegenzustellen.

Viele Menschen sahen aber offenkundig keinen Grund für einen Wandel, auch wenn der Wohlstand extrem ungleich verteilt ist. Indonesien gilt inzwischen als eine der stabilsten Demokratien in Südostasien, nachdem das Land die 30 Jahre währende Militärdiktatur überwunden hat. Heute gehört der Staat den G-20 an und ist derzeit nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat. Bis 2030 könnte Indonesien nach Prognosen von Experten eine der fünf größten Volkswirtschaften weltweit sein, 2032 will es die Olympischen Sommerspiele ausrichten.

Die Wahlen im bevölkerungsreichsten muslimischen Staat waren logistisch ein enormes Unterfangen und erforderte besondere Vorbereitungen. So musste die Tinte, mit der die Wahlberechtigten in einem der 810.000 Wahllokale ihre Stimme abgeben, muslimischen Vorschriften entsprechen, also halal sein. Mehr als 1,6 Millionen Flaschen Tinte wurden zur Verfügung gestellt, insgesamt beliefen sich die Kosten für die Wahl auf 27,6 Billionen Rupien – umgerechnet 1,7 Milliarden Euro.