Der frühere US-Präsident Barack Obama hat bei einem Auftritt in Köln ein entschiedeneres Eintreten gegen den Klimawandel gefordert und dabei das Engagement junger Menschen hervorgehoben. "Der Klimawandel ist nichts, was in 50 Jahren stattfindet, er geschieht genau jetzt", sagte Obama am Donnerstagabend vor mehr als 14.000 Menschen in der Kölner Lanxess Arena.

Es gebe mehr Waldbrände, mehr Hitzeperioden und mehr Überschwemmungen, sagte Obama während eines einstündigen Interviews beim World Leadership Summit in Köln. Den Kampf gegen die Klimaerwärmung könne "man nicht alten Leuten überlassen, auch nicht mir". Wenn alle jungen Leute zur Wahl gingen und dabei für klimafreundliche Parteien stimmten, könnten sie sehr schnell Veränderung zustande bringen. Er sage jungen Leute immer: "Ihr würdet euren Großvater niemals darüber entscheiden lassen, was ihr anzieht oder welche Musik ihr euch anhört. Aber ihr lasst ihn darüber entscheiden, was mit der Umwelt geschieht, in der ihr leben werdet?"

Obama kritisiert Trumps Klimapolitik

Er gab sich "zuversichtlich und vorsichtig optimistisch", dass die USA im Klimaschutz bald wieder führend sein werden. Natürlich seien viele frustriert aufgrund der Haltung der derzeitigen US-Regierung, aber man dürfe nicht vergessen, dass etwa der Staat Kalifornien alle Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umsetze.

In Obamas Amtszeit war 2015 das Pariser Klimaabkommen ausgehandelt worden. Unter seinem republikanischen Nachfolger Donald Trump waren die USA aus dem Abkommen ausgestiegen – ein Schritt, den Obama kritisierte. Die Pariser Klimaziele hätten aus seiner Sicht noch ambitionierter sein müssen. Im Kampf gegen den Klimawandel gebe es zwar "langsame Fortschritte", sagte Obama. Nötig seien aber "größere Schritte".

Obama hob auch hervor, dass Entscheidungen und Diskussionen auf der Grundlage von Fakten stattfinden müssten. "Ich bin ein großer Anhänger aufklärerischer Werte wie Fakten, Vernunft, Logik", sagte der 57-Jährige, ohne seinen Nachfolger beim Namen zu nennen. "Eine Demokratie definiert sich darüber, dass sie unterschiedliche Meinungen zulässt, aber sie kann nicht funktionieren, wenn grundlegende Fakten infrage gestellt werden."

Merkel empfängt Obama, reist aber nicht zu Trump

Nach seinem Kurzaufenthalt in Köln reist Obama am Freitag weiter nach Berlin, wo ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Nachmittag zu einem vertraulichen Gespräch im Kanzleramt empfangen will. Obama hatte in seiner Amtszeit als US-Präsident (2009 bis 2017) eng mit Merkel zusammengearbeitet. Seit dem Antritt seines Nachfolgers Trump kühlte sich das deutsch-amerikanische Verhältnis deutlich ab. Dies dürfte eines der Themen bei der Begegnung am Freitag sein.

Ein großer Streitpunkt zwischen Merkel und Trump ist dessen protektionistische Wirtschaftspolitik. Die Kanzlerin kritisiert auch immer wieder Trumps "Amerika zuerst"-Politik, die eine Abkehr vom multilateralen Ansatz für die internationale Krisenlösung bedeutet. Gerade vor diesem Hintergrund dürfte es auch als Signal gewertet werden, dass Merkel Obama nun in Berlin empfängt. Zumal die Kanzlerin Ende Mai für eine Rede bei der Abschlussfeier der US-Elite-Universität Harvard in die Vereinigten Staaten reisen wird, aber offenbar keinen Abstecher zu Trump nach Washington plant.

Obama nimmt am Samstag in Berlin an einem Town-Hall-Treffen teil. Dabei will er sich den Fragen von etwa 300 jungen Menschen aus ganz Europa stellen, die sich in Bereichen wie der Zivilgesellschaft, der Integration oder der Ernährungssicherung engagieren. Obama war schon mehrmals in Berlin. Zuletzt nahm er im Mai 2017 auf dem Kirchentag gemeinsam mit Merkel an einer Podiumsdiskussion teil.