Trotz solcher Kampagnen: In der rumänischen Bevölkerung genießt Kövesi immer noch großes Vertrauen – selbst wenn es nicht mehr so sichtbar ist wie noch vor einem Jahr, als Zehntausende auch gegen ihre Ablösung als Leiterin der Antikorruptionsbehörde demonstrierten. Vergangenes Wochenende waren es immerhin noch Tausende, die auf landesweiten Demonstrationen ihre Solidarität zeigten. Auch Oppositionspolitiker und Staatspräsident Klaus Iohannis sprechen sich für Kövesi aus. 

Außerhalb Rumäniens wird Kövesi vor allem aus dem Lager der Konservativen, der Liberalen und der Grünen unterstützt. "Die Regierung versucht seit geraumer Zeit, Kövesi daran zu hindern, Europäische Generalstaatsanwältin zu werden. Jetzt wird sie von einer juristischen Entität, die von der gleichen Regierung kontrolliert wird, wegen Korruption angeklagt", twitterte Ska Keller, Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament. Für ihre Parteikollegin, die Niederländerin Judith Sargentini, ist das Verhalten der rumänischen Regierung "ein Grund mehr, Kövesi zur Europäischen Staatsanwältin zu ernennen".

Aus den Reihen der Europäischen Sozialdemokraten (PES), denen auch die PSD angehört, sind dagegen nur vereinzelte Stimmen zu hören. Die lauteste ist die der EU-Abgeordneten Ana Maria Gomes, Sozialdemokratin aus Portugal. Sie twitterte zu den jüngsten Entwicklungen im Fall Kövesi: "ein niederträchtiger Trick der heutigen korrupten Regierung des Liviu Dragnea und seiner Marionettenministerpräsidentin". Gomes fordert längst den Ausschluss der PSD aus der europäischen PES. Eine Forderung, der sich die deutschen Parteigenossen Dragneas nicht anschließen wollen. Allgemein heißt es bei der SPD nur, man sei über die Ereignisse in Rumänien "besorgt".

"Prinzipien der ehrlichen Mitarbeit"

Dagegen machen die EU-Institutionen deutlicher, was sie von den Aktivitäten gegen Kövesi in Rumänien halten. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani betont, das Parlament werde an der Kandidatin festhalten. Und die EU-Kommission ermahnt die Regierung in Bukarest, "die Prinzipien der ehrlichen Mitarbeit, was die Auswahl des Chefstaatsanwalts des EuSta angeht, laut EU-Vertrag, zu respektieren. Alle Kandidaten sollen die Möglichkeit haben, an allen Auswahlverfahren teilzunehmen, ohne daran gehindert zu werden." 

Für den Fall, dass die Wahl tatsächlich auf Kövesi fallen sollte, haben Dragnea und seine Mitstreiter offenbar schon vorgesorgt. So drohte der Fraktionschef der PSD damit, dass sich Rumänien aus der Europäischen Staatsanwaltschaft zurückziehe. Und Dragnea selbst stellte vergangene Woche indirekt die Europäische Menschenrechtskonvention und damit auch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte für Rumänien infrage. Dass Rumänien damit folgerichtig auch aus der EU austreten müsste, erwähnte er nicht.