US-Präsident Donald Trump hat mit dem libyschen General Chalifa Haftar telefoniert, der zurzeit militärisch gegen die international anerkannte Regierung in Tripolis vorgeht. Trump habe dabei die wichtige Rolle Haftars im Kampf gegen den Terror und bei der Sicherung der libyschen Ölvorkommen betont, teilte das Weiße Haus mit. Zudem hätten beide über eine gemeinsame Vorstellung zum Übergang Libyens in ein stabiles und demokratisches System diskutiert. Das Telefonat sei bereits am Montag geführt worden. Warum die US-Regierung dies erst jetzt mitteilte, blieb offen.

Haftars Libysche Nationalarmee (LNA) will die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch stürzen. Der General wird nach Angaben von EU-Diplomaten von Russland, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien unterstützt. Libyens Regierung wirft auch Frankreich vor, Haftar zu unterstützen. Bei seinem bereits rund zwei Wochen andauernden Vormarsch auf die libysche Hauptstadt Tripolis sind nach UN-Angaben bisher 213 Menschen getötet und über 1.000 verletzt worden. Tausende Menschen sind auf der Flucht.

Der Experte Jalel Harchaoui vom Clingendael Institut für internationale Beziehungen in Den Haag sagte, Trumps Telefonat sei als Unterstützung für Haftar zu verstehen. Das wiederum schaffe ein Umfeld, welches eine militärische Intervention ausländischer Staaten, etwa von Ägypten, wahrscheinlicher mache. Ein Grund für Trumps Anruf ist laut Harchaoui, dass sich Haftars Armee als weniger stark erwiesen habe als von diesem selbst erklärt.

Die Regierung in Tripolis erließ einen Haftbefehl gegen Haftar. Dieser begründe sich hauptsächlich mit den Bombenangriffen auf den Flughafen Mitiga und Wohngebiete, teilte die Militärstaatsanwaltschaft mit. Beide Konfliktparteien meldeten Kämpfe südlich von Tripolis. Ein Sprecher der haftartreuen Truppen sagte, diese hätten in der Nacht zum Freitag einen Angriff auf Garian abgewehrt. Der Ort liegt rund 90 Kilometer südlich von Tripolis und gilt als strategisches Einfallstor in die Hauptstadt.

Weiterhin keine Einigung im UN-Sicherheitsrat

Die Bundesregierung und die EU forderten derweil ein Ende der Kämpfe in Libyen. Ein UN-Friedensplan für das zerrissene nordafrikanische Land ist durch den Vormarsch Haftars in Gefahr. Doch der UN-Sicherheitsrat konnte erneut keine einheitliche Haltung zur Lage in dem Land finden. Es sei "frustrierend", dass der Text nicht vorankomme, sagte der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen nach einer Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen. Ihm zufolge ist es wichtig, eine entschiedene Resolution zu verabschieden, "von einem geeinten Rat, hinter der jeder stehen kann und in der wir klar sagen, wer Verantwortung trägt und was getan werden muss". Deutschland, das zurzeit den Vorsitz im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen innehat, hatte die Sitzung einberufen.

Durch die Eskalation verschlechtert sich auch die Lage für die Flüchtlinge in Libyen, das als wichtiges Transitland auf dem Weg nach Europa gilt. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR meldete am Freitag, erstmals seit Ausbruch der Gewalt seien 163 Flüchtlinge aus Libyen ins Nachbarland Niger geflogen, darunter Dutzende Frauen und Kinder. In den vergangenen zehn Tagen seien zudem insgesamt fast 540 Flüchtlinge aus Lagern nahe der Kampfzone verlegt worden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnte, die Gewalt gefährde besonders jene gut 3.000 Flüchtlinge und Migranten, die willkürlich in Internierungslagern nahe der Kampfzone festgehalten würden. Manche hätten seit Tagen nichts zu essen bekommen, viele erhielten nur sehr wenig Trinkwasser. Einige berichteten, in direkter Umgebung ihrer Internierungslager habe es Kämpfe und Luftangriffe gegeben.