Die libysche Hauptstadt Tripolis ist erneut Ziel von Luftangriffen geworden. Einwohner berichteten, sie hätten zunächst vermutlich eine Drohne in der Luft gehört, danach mehrere laute Explosionen. Auch Flugabwehrfeuer sei zu hören gewesen. Die genauen Ziele der Angriffe waren zunächst unklar.

Die Libysch-Nationale Armee (LNA) des Rebellenkommandeurs Chalifa Haftar hat vor drei Wochen eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet, die von der international anerkannten Regierung des Landes kontrolliert wird. Die LNA hat seither mehrfach Luftangriffe geflogen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden bei den Kämpfen bisher rund 280 Menschen getötet und mehr als 1.300 verletzt.

Die Rebellenarmee schickte zudem ein Kriegsschiff in den Ölhafen von Ras Lanuf im Osten des Landes. Das Patrouillenboot Alkarama sei als Teil einer Übung entsandt worden und solle die Ölanlagen sichern, sagte ein LNA-Sprecher. Die LNA kontrolliert die Ölhäfen im Osten des Landes ebenso wie die Ölfelder. Die Verwaltung liegt aber weiter bei dem staatlichen Ölkonzern NOC, da ausländische Käufer nur mit dieser ihnen lange bekannten Firma Geschäfte machen wollen. 

Haftar war unter dem 2011 gestürzten Staatschef Muammar al-Gaddafi General. Er hat die Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens, die ihm mit Luftangriffen bei der Übernahme der Kontrolle im Osten Libyens halfen. Beide Länder haben die LNA UN-Berichten zufolge auch mit militärischer Ausrüstung unterstützt, darunter Hubschrauber, und sogar einen Militärflughafen gebaut.

Haftars Vorstoß auf Tripolis verstärkt das Chaos in dem Bürgerkriegsland: Die Kämpfe drohen die Öllieferungen zu stören und die illegale Migration über das Mittelmeer nach Europa zu fördern. Sie könnten auch UN-Pläne für eine Wahl vereiteln, die den Streit zwischen den rivalisierenden Regierungen im Osten und Westen beenden soll.