Algeriens langjähriger Präsident Abdelaziz Bouteflika tritt vor dem Ende seiner regulären Amtszeit am 28. April zurück. Das geht aus einer Erklärung des algerischen Präsidialbüros hervor, die die staatliche Nachrichtenagentur APS veröffentlichte. Bis dahin werde der 82-Jährige "Maßnahmen" ergreifen, um den Betrieb der staatlichen Behörden während der "Übergangsphase" sicherzustellen. Mit dieser Entscheidung reagierte er offenbar auf wochenlange Proteste gegen seinen Verbleib im Amt.

Der 82 Jahre alte Bouteflika ist seit 20 Jahren an der Macht, sitzt aber seit einem Schlaganfall 2013 im Rollstuhl und hat große Probleme beim Sprechen. Nach den Protesten hatte er auf eine zunächst geplante Kandidatur bei der nächsten Präsidentenwahl verzichtet. Zugleich hatte er aber die Abstimmung verschoben und seine Amtszeit damit auf unbestimmte Zeit verlängert. 

Am Sonntag hatte Bouteflika eine neue Regierung ernannt. Ministerpräsident ist der 59 Jahre alte Noureddine Bedoui. Das Kabinett besteht aus 27 Ministern. Sechs von ihnen gehörten auch der alten Regierung an, die nach den Protesten in dem nordafrikanischen Land zurückgetreten war. Militärchef und Vizeverteidigungsminister Gaid Salah behält in der neuen Regierung sein Amt. Er hatte sich zuletzt für die Absetzung des Präsidenten aus gesundheitlichen Gründen ausgesprochen.

Seit Wochen kommt es in Algerien zu den größten Massenprotesten seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962. Auch einen Tag nach der Ernennung einer neuen Regierung in Algerien gehen die Proteste gingen die Staatsführung weiter. Hunderte Menschen versammelten sich im Stadtzentrum der Hauptstadt Algier und demonstrierten gegen die Vorgänge an der Spitze des Landes. Die oppositionelle Arbeiterpartei beschrieb das neue Kabinett als neues Gesicht für eine alte Regierung. "Es ist nicht klar, auf welcher Basis die Minister ausgewählt worden sind", hieß es in einer Erklärung der Partei.