Weil er sich in sozialen Medien kritisch über die Regierungspartei AKP geäußert haben soll, ist der Wirtschaftswissenschaftler, Buchautor und Kolumnist Mustafa Sönmez für einige Stunden in Istanbul festgenommen worden. Polizisten hätten Sönmez in den frühen Sonntagmorgenstunden in Gewahrsam genommen, berichteten türkische Medien.

Über den genauen Hintergrund gab es zunächst unterschiedliche Angaben: Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu schrieb, Sönmez werde vorgeworfen, Präsident Recep Tayyip Erdoğan beleidigt zu haben. Sönmez' Verlag schrieb auf Twitter, er sei festgenommen worden, weil er die Wirtschaftspolitik der islamisch-konservativen Regierung in sozialen Medien kritisiert habe. Etwa zwölf Stunden später kam er wieder auf freien Fuß.

Der Oppositionspolitiker Baris Yarkas berief sich auf Sönmez' Anwalt und sagte, Grund für die Verhaftung sei ein Video aus dem Stadion des Erstligisten Beşiktaş Istanbul von Samstagabend, das der Ökonom via Twitter geteilt habe. Darin fordern Fans des Fußballclubs die Anerkennung des Wahlsiegs der Opposition bei der Bürgermeisterwahl in Istanbul; die Anhänger singen: "Gebt İmamoğlu die Urkunde."

Ekrem İmamoğlu von der größten Oppositionspartei CHP hatte die Bürgermeisterwahl in Istanbul nach vorläufigen Ergebnissen vor zwei Wochen gewonnen. Gegen diesen Sieg hatte die AKP mehrfach Einspruch eingelegt und eine Neuwahl in Istanbul gefordert. Die Regierungspartei hatte die Kommunalwahlen am 31. März zwar landesweit knapp gewonnen, die Großstadt Istanbul war jedoch wie Ankara und weitere Städte an die Vertreter der Opposition gegangen.