Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon will noch vor der nächsten Parlamentswahl 2021 in dem britischen Landesteil ein zweites Unabhängigkeitsreferendum abhalten. Das Regierungssystem in London diene nicht den Interessen ihres Landes, sagte Sturgeon im schottischen Parlament in Edinburgh. Es solle eine Wahl zwischen dem Brexit und "einer Zukunft für Schottland als unabhängige europäische Nation" werden.

Sturgeon argumentiert, ein EU-Austritt Schottlands zusammen mit den Briten gefährde die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. "Wir drohen ins Abseits gedrängt zu werden, an den Rand innerhalb eines Vereinigten Königreichs, das selbst zunehmend auf der internationalen Bühne am Rand steht."

Die Regierungschefin plane, die notwendige Gesetzgebung für ein Referendum in die Wege zu leiten. Beim ersten Referendum über die Unabhängigkeit im Jahr 2014 hatte eine knappe Mehrheit der Schotten (55 Prozent) gegen eine Loslösung vom Vereinigten Königreich gestimmt. Noch deutlicher sprachen sich die Schotten aber beim Brexit-Referendum 2016 für einen Verbleib Großbritanniens in der EU aus (62 Prozent).

Für ein Unabhängigkeitsreferendum in Schottland ist die Zustimmung der Regierung in London notwendig. Die britische Premierministerin Theresa May hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie eine Volksabstimmung in Schottland ablehnt. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, teilte ein Regierungssprecher mit.

Schottland - "Die Unabhängigkeit ist kein Allheilmittel" Aus dem Archiv: Die Brexit-Abstimmung hat für Schwung in der schottischen Unabhängigkeitsbewegung gesorgt. Schon vor den Parlamentswahlen 2017 strebten die Schotten ein neues Referendum für ihre Unabhängigkeit an.