Manfred Weber, der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP), will den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland noch verhindern. "Ich bin gegen dieses Projekt. Es ist nicht im EU-Interesse", sagte der CSU-Politiker der Polska Times

Weber werden mit der derzeit stärksten Kraft im EU-Parlament nach der Europawahl auch gute Chancen auf den Posten des Kommissionspräsidenten eingeräumt. Er ist der gemeinsame Spitzenkandidat von CDU und CSU für die Wahl. "Als Chef der EU-Kommission werde ich alle möglichen Rechtsmittel anwenden, um Nord Stream 2 zu verhindern."

Schon im März hatte Weber in einem Interview mit der polnischen Newsweek gesagt, er lehne das Projekt "kategorisch" ab.

Weber stellt sich damit gegen die Position der Bundesregierung, die die Gasleitung durch die Ostsee als Beitrag zur Versorgungssicherheit verteidigt. Auf den Widerspruch zur Bundesregierung angesprochen sagte er der polnischen Zeitung: "Ich bin nicht der deutsche Kandidat für die Spitze der EU-Kommission, sondern ein Kandidat der EVP." Da die Leitung Transitländer wie Polen oder die Ukraine umgeht, ist dort der Widerstand besonders groß. Auch Frankreich und die USA sind dagegen, da sie eine zu große Abhängigkeit der Europäer von Russland befürchten. Zudem will das Land selbst Flüssiggas auch nach Europa exportieren.

Nord Stream 2 ist die zweite Ostseepipeline zwischen Russland und Deutschland. Dahinter steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen, darunter die BASF-Tochter Wintershall, OMV sowie Royal Dutch Shell und die französische Engie.