Kurz vor der Stichwahl um das ukrainische Präsidentenamt sind Verhandlungen über eine Osterwaffenruhe in der Ostukraine zunächst gescheitert. Am Mittwoch werde ein neuer Versuch für eine Feuerpause unternommen, teilte Martin Sajdik, Vermittler der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), mit. Die Konfliktparteien wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für das Scheitern der Gespräche zu. Das orthodoxe Osterfest in der Ukraine wird am 28. April gefeiert.

An diesem Sonntag sind die Ukrainer aufgerufen, per Stichwahl den neuen Präsidenten zu bestimmen. Viele Bürgerinnen und Bürger hoffen, dass die ins Stocken geratenen Verhandlungen in dem Konflikt nach der Wahl wieder in Gang kommen. Dem amtierenden Staatschef Petro Poroschenko droht eine Niederlage gegen den Komiker Wolodymyr Selenskyj. Der Politneuling führt in Umfragen mit deutlichem Vorsprung. Beide wollten sich am Freitagabend in einem Rededuell im Kiewer Olympiastadion zu den Entwicklungen des Krisenlandes äußern.

Der Fabrikant Poroschenko regiert die Ukraine seit den Maidan-Protesten im Jahr 2014. Nach dem Sturz seines kremltreuen Vorgängers Viktor Janukowitsch versprach er, die Ukraine stärker am Westen auszurichten, gegen Korruption vorzugehen und den bewaffneten Konflikt im Osten zu beenden. Die Auseinandersetzung schwelt bis heute, die Korruption ist weiter allgegenwärtig.

In dem Konflikt zwischen Regierungssoldaten und prorussischen Separatisten in den Gebieten Donezk und Luhansk im Osten des Landes sind nach UN-Angaben seit 2014 mehr als 13.000 Menschen getötet worden. Der 2015 vereinbarte Minsker Friedensplan wurde nicht umgesetzt. Zu Feiertagen wie etwa dem orthodoxem Osterfest in der kommenden Woche gab es immer wieder Anläufe für eine Feuerpause. Allerdings scheiterten bislang alle Versuche bereits nach kurzer Zeit. Zuletzt war zum 8. März eine Frühlingswaffenruhe vereinbart worden. Auch sie hatte nicht gehalten.