Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden will für die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2020 antreten. Das kündigte der 76-Jährige auf Twitter an. Seine Bewerbung war lange erwartet worden.

In einem Video begründete Biden seine Bewerbung mit dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Darin nannte er Trump eine Bedrohung für die Grundwerte der USA. Sollte er acht Jahre regieren, "wird er für immer und grundlegend den Charakter dieser Nation verändern", sagte Biden. "Ich kann nicht daneben stehen und das geschehen lassen."

Trump reagierte auf Twitter mit den Worten "Willkommen im Rennen, Sleepy Joe". Der Präsident warnte Biden, dass es unangenehm werde. Er hoffe, Biden habe "die Klugheit, eine lange Vorwahlkampagne zu führen". Er werde mit Leuten zu tun haben, die "wirklich sehr kranke Ideen haben", schrieb der US-Präsident.

Biden war bereits 1988 und 2008 Präsidentschaftsbewerber – und ist nun der 20. Kandidat, der für die Demokraten antreten will. So hatte unter anderem der linke Bernie Sanders seine Bewerbung angekündigt. Aber auch viele jüngere und weibliche Kandidaten brachten sich in Stellung, darunter die Senatorinnen Kamala Harris, Elizabeth Warren, Amy Klobuchar und Kirsten Gillibrand.

Biden in Umfragen vor Sanders

Biden ist einer der bekanntesten US-Politiker und lag in Umfragen zuletzt an der Spitze der Kandidaten der Demokratischen Partei, obwohl er seine Bewerbung noch gar nicht angekündigt hatte. Sanders erreichte in den Umfragen hinter Biden Platz zwei, die anderen Bewerber folgen erst mit deutlichem Abstand. Die Aussagekraft dieser frühen Erhebungen ist allerdings begrenzt. Die parteiinternen Vorwahlen, bei denen die Demokraten ihren Kandidaten für die eigentliche Wahl im November 2020 festlegen, beginnen erst im Februar 2020 in Iowa.

In den vergangenen Wochen hatten Berichte über angebliche Übergriffe Bidens für Aufsehen gesorgt. Mehrere Frauen beklagten ungebetene körperliche Nähe oder ungewollte Liebkosungen wie ein Tätscheln des Oberschenkels oder einen Kuss auf den Hinterkopf. Der Demokrat gelobte daraufhin öffentlich Besserung und versprach, er werde künftig "aufmerksamer und respektvoller sein mit dem persönlichen Raum von Menschen".