Nach der Wahl von Wolodymyr Selenskyj zum neuen Präsidenten der Ukraine, hofft die russische Regierung die Beziehungen zum Nachbarland verbessern zu können. Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew schrieb auf seiner Facebook-Seite, nach dem Wahlsieg von Selenskyj bestehe "eine Chance, die Zusammenarbeit mit unserem Land zu verbessern". Er mache sich aber insgesamt "keine Illusionen", schrieb er. 

Medwedew hat der neuen Führung in Kiew empfohlen, die Probleme des Landes "mit Rücksicht auf die tiefe Verbundenheit des russischen und ukrainischen Volkes" anzugehen.

Selenskyj hatte wie sein Vorgänger Petro Poroschenko angekündigt, eine Mitgliedschaft der Ukraine in der EU und in der Nato anzustreben. Der russische Vizeaußenminister Grigori Karasin sagte laut der Nachrichtenagentur Ria Novosti, die neue Führung müsse nun in der Innen- und Außenpolitik "die Wünsche ihrer Wähler verstehen und umsetzen".

"Die Lage in der Ex-Sowjetrepublik ist schwierig"

Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern sind seit Jahren schwer belastet. Die politische und wirtschaftliche Situation der Ukraine ist vor allem im Osten instabil. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert und unterstützt außerdem separatistische Kämpfer im Osten des Landes. In der Folge brach in der Ostukraine ein Krieg aus, der bis heute anhält: Prorussische Milizen riefen in Luhansk und Donezk Volksrepubliken aus. Die ukrainische Armee kämpft gegen Separatisten, die von Russland unterstützt werden. Trotz internationalen Bemühungen, den Konflikt beizulegen, und zwei Friedensvereinbarungen in Minsk dauern die Kämpfe im Osten der Ukraine an.

Selenskyj hat angekündigt neue Friedensgespräche für die Ostukraine zu führen. Er werde "die Minsk-Gespräche fortsetzen, sie neu aufnehmen", sagte er. Zudem versprach er, für die Rückkehr der Ukrainer zu sorgen, die in den von Separatisten kontrollierten Gebieten und in Russland festgehalten werden.

Glückwünsche von der EU, Nato und den USA

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Selenskyj zu seinem Sieg gratuliert. Sie wünschte dem 41-Jährigen für die vor ihm liegenden Aufgaben viel Glück und Erfolg. "Die Stabilisierung der Ukraine sowie eine friedliche Konfliktlösung liegen mir ebenso am Herzen wie die Durchführung zentraler Reformen der Justiz, der Dezentralisierung sowie der Korruptionsbekämpfung", sagte Merkel. "Die Bundesregierung wird der Ukraine insbesondere in ihrem Recht auf Souveränität und territoriale Integrität auch in Zukunft tatkräftig zur Seite stehen." Merkel freue sich, Selenskyj bald in Berlin empfangen zu können.

Auch die EU und die Nato bekräftigten nach Selenskyjs Wahlsieg ihren Willen zu einer guten Zusammenarbeit. EU-Ratspräsident Donald Tusk schrieb auf Twitter, die EU sei entschlossen, ihre Unterstützung für das Land fortzusetzen. Er sprach von einem "entscheidenden Tag für die Ukraine". Freie Wahlen und ein friedlicher Machtwechsel seien Zeichen für eine "starke ukrainische Demokratie".

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gratulierte dem Politikneuling zu seinem Wahlsieg. Die Ukraine sei ein "geschätzter" Partner der Nato. "Wir freuen uns darauf, unsere Kooperation fortzusetzen." Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte Selenskyj am Telefon, wie der Wahlsieger auf seiner Facebook-Seite mitteilte. Macron hatte ihn wie auch Poroschenko kurz vor der Abstimmung in Paris empfangen.

US-Präsident Donald Trump habe den 41-Jährigen angerufen und auch das ukrainische Volk zur friedlichen und demokratischen Wahl beglückwünscht, schrieb der Sonderbeauftragte für die Ukraine, Kurt Volker, bei Twitter. "Wir werden die Ukraine weiter unterstützen bei ihren Anstrengungen, die territoriale Unversehrtheit herzustellen und Russlands Aggression abzuwehren."

Selenskyj hatte am gestrigen Sonntag nach Auszählung fast aller Wahlzettel mit 73 Prozent der Stimmen gewonnen. Der 41 Jahre alte Fernsehstar erzielte damit das mit Abstand beste Ergebnis in der Geschichte der Präsidentenwahlen in der unabhängigen Ukraine. Amtsinhaber Petro Poroschenko kam auf rund 24 Prozent der Stimmen.