Mehr als 300 Tote und mindestens 500 Verletzte: Wahrscheinlich muslimische Extremisten hatten es am Ostersonntag in Sri Lanka darauf abgesehen, möglichst viele Christen zu töten. Wie weit genau diese Taten von außerhalb Sri Lankas initiiert wurden, ist noch unbekannt. Doch in der Gesellschaft des Landes sind erhebliche Spannungen zwischen den einzelnen Volksgruppen und Religionen nichts Neues. Vor allem aber ist der große Konflikt der vergangenen Jahrzehnte, der Bürgerkrieg zwischen der Bevölkerungsmehrheit der vorwiegend buddhistischen Singhalesen und den zumeist hinduistischen Tamilen, bis heute unverarbeitet.

Dieser Krieg war ein Erbe des Kolonialismus. Nach der Unabhängigkeit von den Briten 1948 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen, die zwei Jahrtausende lang weitgehend friedlich koexistiert hatten. Der Grund: Die Kolonialherren hatten die tamilische Minderheit gegenüber den Singhalesen bevorteilt, etwa durch einen überproportional hohen Anteil an Verwaltungsposten. 1983 wurde dieser Konflikt zu einem offenen Bürgerkrieg.

Zwar gelang es dem nationalistischen Staatschef Rajapaksa 2009 mit der Armee Sri Lankas, die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), die landesweit mit Selbstmordanschlägen und Zugsprengungen für einen unabhängigen tamilischen Staat auf der Insel kämpften, zu besiegen. Dafür ließ er das Siedlungsgebiet der Tamilen im Norden bombardieren. Darauf wurde zwar Frieden geschlossen – doch die Kriegsverbrechen auf beiden Seiten sind nie aufgearbeitet worden.

"Starke Vorurteile gegen Muslime"

Die Gewalt im Land hat sich seither verlagert. Richteten sich die Übergriffe nationalistischer Buddhisten bis 2009 noch gegen die Tamilen, wurden nach dem Friedensschluss vor allem Muslime Opfer rassistischer Auseinandersetzungen.

Die muslimische Minderheit macht knapp zehn Prozent der Bevölkerung Sri Lankas aus. Die meisten Muslime sind Sunniten, einige auch Sufis. Sie führen ihre Herkunft auf persische und arabische Händler zurück, die seit dem siebten Jahrhundert Handel in der Region betrieben. Die Kaufleute heirateten tamilische und singhalesische Frauen, ließen sich im Osten der Insel rund um Batticaloa und Ampara nieder. Die Portugiesen, die Sri Lanka seit dem 16. Jahrhundert kontrollierten, nannten sie "Mauren". Als "Moors" bezeichnen sie sich selbst noch heute.

Zwar würden Muslime nicht systematisch unterdrückt, sagt Nirmal Ranjith Dewasiri, Professor für Geschichte an der Universität von Colombo: "Gleichwohl gibt es starke Vorurteile gegen sie, nicht nur vonseiten der singhalesischen Buddhisten, sondern auch von Christen und Tamilen." Und es gibt eine wachsende Konkurrenz zwischen muslimischen und singhalesischen Geschäftsleuten.

Die machen sich auch die buddhistischen Nationalisten zunutze. Seit 2012 agitiert die Buddhist Power Force, Bodu Bala Sena (BBS) für einen einheitsbuddhistischen Staat. Seit 2014 kommt es immer wieder zu Übergriffen von Buddhisten auf muslimische Geschäfte. Schlägertrupps greifen Moscheen an. "Ja, wir sind Rassisten. Ja, wir sind religiöse Extremisten", rief der singhalesische Mönch Galagoda Aththe Gnanasara, damals Generalsekretär der BBS, 2014 in eine tosende Menge. Erst im vergangenen Jahr wurde er zu einem halben Jahr Haft verurteilt.