Die Lage des Rettungsschiffs Alan Kurdi mit 64 geretteten Flüchtlingen an Bord wird nach Angaben der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye immer schwieriger. Sechs Tage nach der Rettung der Flüchtlinge vor der libyschen Küste würden Trinkwasser und Nahrungsmittelvorräte an Bord knapp, teilte die Organisation mit. Die Situation der Geflüchteten sowie der 17 Crewmitglieder sei "alarmierend". Die maltesischen Behörden seien darüber informiert worden, dass frisches Trinkwasser, Essen und Wechselkleidung spätestens am Mittwoch nötig seien. 

Das Schiff der Sea-Eye hatte die Geflüchteten am vergangenen Mittwoch aus einem Schlauchboot gerettet und wartet seitdem vor der Küste Maltas auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Unter den Geretteten sind den Angaben zufolge zwölf Frauen, ein Kind und ein Baby.

"Die Leute hier tragen ihre Kleidung teilweise schon seit Wochen am Leib. Das sind unsägliche Umstände an Bord eines europäischen Schiffes", teilte Einsatzleiter Jan Ribbeck mit. Die meisten Menschen müssten an Deck schlafen. Dort seien sie weder vor dem Wetter noch vor dem Meerwasser geschützt. "Die Menschen frieren, sie werden immer wieder nass und natürlich hat niemand Wechselkleidung dabei."

NGO-Schiffe auf dem Mittelmeer

 
Auf Mission
 
Inaktiv
 
Blockiert

Die Alan Kurdi hatte zunächst die italienische Regierung darum gebeten, einlaufen zu dürfen. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte eine Aufnahme der Menschen jedoch abgelehnt und Deutschland aufgefordert, sich um das "Problem" zu kümmern. Er sieht die Zuständigkeit bei Deutschland, weil es sich um ein deutsches Schiff handelt.

Europäische Lösung bisher nicht in Sicht

Nachdem der Alan Kurdi die Einfahrt in italienische Gewässer verweigert worden war, hatte das Schiff am Wochenende Kurs auf Malta genommen. Auch die maltesische Regierung hat einer Einfahrt des Schiffs bisher jedoch nicht zugestimmt. Beide Regierungen bestehen darauf, dass die Flüchtlinge auf andere EU-Länder aufgeteilt werden. 

Laut Sea-Eye hatte sich Italien jedoch zwischenzeitlich dazu bereit erklärt, zwei Kinder und deren Mütter "aus humanitären Gründen" von Bord zu bringen. Die Väter sollen jedoch nicht aufgenommen werden. Nach Angaben von Innenminister Salvini lehnte die Hilfsorganisation eine Trennung der Familien jedoch ab.

Nach Informationen des Bundesinnenministeriums hat die Bundesregierung unterdessen die EU-Kommission gebeten, die Koordinierung des Falls zu übernehmen "und zu bewirken, dass das Rettungsschiff in einen sicheren Hafen einlaufen kann". Sea-Eye teilte mit, bis Montagabend habe "es aus Brüssel jedoch noch keine messbaren Erfolgsmeldungen" gegeben.

Sea-Eye-Sprecher Dominik Reisinger kritisierte den Umstand, dass bisher noch keine europäische Lösung zustande gekommen sei: "Die andauernden Verhandlungen und die politische Frage der Verteilung der Geretteten unter den verschiedenen EU-Staaten beeinträchtigen die Menschenrechte der Leute an Bord der Alan Kurdi." Die Rechte auf Freiheit, Sicherheit und physische Unversehrtheit seien schon allein dadurch verletzt worden, dass mehrere Staaten bisher das Einlaufen in einen sicheren Hafen verweigerten.

Diese interaktive Präsentation kann mit Ihrem Browser nicht dargestellt werden.
Lesen Sie die Übersicht zum Zivile Rettungsschiffe im Mittelmeer in einer optimierten Fassung.