Die Europäische Union hat nach dem Sturz des sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir eine rasche Übergabe der Regierungsverantwortung an Zivilisten gefordert. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, nur ein "glaubwürdiger und inklusiver politischer Prozess" könne den Erwartungen der sudanesischen Bevölkerung gerecht werden und zu den notwendigen politischen und wirtschaftlichen Reformen führen. Dazu müsse die Macht schnell an eine zivile Übergangsregierung übergeben werden.

Die USA setzten nach der Machtübernahme ihre Gespräche mit dem afrikanischen Land über eine Normalisierung der Beziehungen aus. "Das sudanesische Volk sollte bestimmen, wer es künftig anführt", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. Die Bevölkerung habe klargemacht, dass Zivilisten die Übergangsphase leiten sollten. "Das sollte ihnen nicht erst in zwei Jahren erlaubt werden."

Der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Staatschef Al-Baschir war am Donnerstag nach monatelangen Massenprotesten der Bevölkerung vom Militär gestürzt worden. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wurde ein Militärrat eingesetzt, an dessen Spitze Verteidigungsminister Awad Ibnuf steht.

Die Anführer der Proteste gegen Al-Baschir lehnten den "Militärputsch" aber ab und riefen zu weiteren Demonstrationen auf. Sie fordern einen zivilen Rat statt eines Militärrats. Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre, die Ibnuf verhängte, versammelten sich in der Nacht jedoch wieder Tausende Demonstranten vor dem Armee-Hauptquartier in Khartum und riefen Slogans wie: "Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit!"

Al-Baschir hatte sich 1989 mithilfe von Islamisten an die Macht geputscht. Seitdem regierte er das ostafrikanische Land mit harter Hand.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen begrüßte Al-Baschirs Absetzung. "Es gibt dem Land eine Chance, einen Übergang in eine demokratische Regierungsform zu finden und befriedet zu werden", sagte sie am Rande des UN-Sicherheitsrates in New York. UN-Generalsekretär António Guterres mahnte zu "Ruhe und allerhöchster Zurückhaltung".