Brahma Chellaney, indischer Strategieexperte und Fellow der Robert Bosch Academy, schreibt ebenfalls auf Twitter: "Wegen der Anzahl der ausgewählten Orte und der Art der Koordinierung erinnern die Angriffe von Sri Lanka an die Anschläge des Jahres 2008 in Mumbai (es war die längste terroristische Belagerung seit Jahrzehnten)."

Bislang allerdings gibt es keine Belege dafür, dass die National Thowheeth Jama'ath tatsächlich von globalen Dschihadisten unterstützt wird. Es wäre das erste Mal in Südasien.    

Fest steht, dass die religiösen Spannungen innerhalb Sri Lankas in den vergangenen Jahren zugenommen haben – und sie dürften durch die Anschlagsserie noch weiter wachsen. Harsh Pant, Leiter des Programms für strategische Studien der Observer Research Foundation in Delhi, sagt: "Der Graben zwischen Buddhisten und Muslimen ist größer geworden, und das wurde in der politischen Debatte des Landes vollständig ignoriert." Er erwartet, dass sich das durch die Anschläge verändert. "Es ist ein signifikanter Bruch, der Staat kann das nicht mehr ignorieren. Aber es könnte schon zu spät sein."

Präsident gegen Premier

Das Land befindet sich ohnehin seit dem vergangenen Jahr in Aufruhr. Damals setzte Präsident Maithripala Sirisena den gegenwärtigen Premierminister Ranil Wickremesinghe ab und ersetzte ihn durch Mahinda Rajapaksa, einen nationalistischen und autoritären Politiker, dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Rajapaksa war Präsident, als der Bürgerkrieg zu Ende ging. An ihm scheiden sich in Sri Lanka die Geister. Er gilt als intolerant gegenüber religiösen Minderheiten, ist jedoch unter der buddhistischen Mehrheitsbevölkerung enorm beliebt.

Am Ende erklärte der Oberste Gerichtshof des Landes die Entscheidung des Präsidenten für nichtig. Rajapaksa musste zurücktreten, Wickremesinghe kehrte zurück ins Amt. Dass seine Regierung trotz der Warnungen aus Indien keine ausreichenden Schutzmaßnahmen vor einem Terroranschlag ergriff, wird auch mit dem Streit zwischen ihm und dem Präsidenten in Verbindung gebracht. Experten erwarten, dass die Forderungen, Rajapaksa zurück ins Amt zu bringen, nun lauter werden. Ende des Jahres stehen Wahlen an.

Sicherheitsrisiko für Südasien

Die Auswirkungen der Anschläge werden aber nicht nur innenpolitisch zu spüren sein, sondern in ganz Südasien – einer Region, in der man auch anderswo mit ethnisch-religiösen Verwerfungen kämpft, sei es in Pakistan, Afghanistan, Indien, Bangladesch oder Myanmar. Bisher gibt es keinen Rahmen für eine sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Region. Das wird sich nun womöglich ändern müssen. Die Anschläge "haben in Indien und der Region große Sorge ausgelöst. Um dagegen vorzugehen, wird eine koordinierte südasiatische Antwort nötig sein", sagt Harsh Pant.

Unterdessen gibt es kaum Informationen über die Männer, die verhaftet wurden. Man weiß lediglich, dass sie sri-lankische Bürger sind. Die örtlichen Medien berichten, sie bekämen von den Behörden widersprüchliche Angaben. "Wir haben viele Stimmen gehört", sagt die Journalistin Weerakoon. "Aber es gibt keine Klarheit."

Übersetzung aus dem Englischen: Alexandra Endres