UN-Generalsekretär António Guterres hat ein sofortiges Ende der Kämpfe in Libyen gefordert. Alle militärischen Operationen müssten umgehend eingestellt werden, ließ er über seinen Sprecher mitteilen. Nur so könne die "Situation deeskaliert" und ein "umfassender Konflikt" vermieden werden. Alle Parteien seien aufgefordert, "unverzüglich einen Dialog über eine politische Lösung aufzunehmen", sagte Guterres' Sprecher. Der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs in Libyen sei bereit, diesen Dialog zu erleichtern.

Seit vergangener Woche eskaliert die Gewalt in Libyen, nachdem der abtrünnige General Chalifa Haftar eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis begonnen hat, wo die international anerkannte Regierung des Landes ihren Sitz hat. Zuletzt hatten Kampfjets den militärischen Teil des einzigen Flughafens bombardiert. Der Flughafenbetrieb wurde bis auf Weiteres eingestellt.

Im Kampf gegen Ministerpräsident Fajiz al-Sarradsch verbündete sich Haftar mit dem libyschen Parlament, das seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2014 seinen Sitz im ostlibyschen Tobruk hat. Die Rebellen kontrollieren zudem große Gebiete im Osten des Landes, darunter auch zahlreiche Ölförderanlagen. Der General bezeichnete den Vormarsch seiner Libyschen Nationalarmee (LNA) als "Antiterrorkampf".

Nach UN-Angaben sind bei den Kämpfen um die Hauptstadt bisher rund 3.400 Menschen vertrieben und Dutzende getötet worden. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnte, in einer Haftanstalt im Viertel Ain Sara säßen mehr als 600 Migranten fest, darunter Frauen und Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, zwei ihrer Ärzte seien bei dem Versuch gestorben, verletzte Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Angriffe auf Mediziner seien nicht zu akzeptieren und verschlimmerten die Situation für Zivilisten.  

Seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 kämpfen in Libyen etliche Milizen um die Macht. Vermittlungsversuche mehrerer UN-Gesandter scheiterten bisher. Vom 14. bis 16. April haben die Vereinten Nationen eine Konferenz geplant, um die unterschiedlichen Fraktionen an einen Tisch zu holen und einen Zeitplan für Neuwahlen auszuarbeiten.