Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will trotz der Kritik aus der Nato russische Waffensysteme kaufen. "Wenn wir einen Vertrag aufgesetzt haben, ist das Geschäft abgeschlossen", sagte Erdoğan nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. "Das ist unser souveränes Recht, das ist unsere Entscheidung." Wer von der Türkei verlange, ihre Pläne aufzugeben, oder Empfehlungen ausspreche, kenne das Land nicht.

Putin wies darauf hin, dass bereits entsprechende Schritte zur Umsetzung des Kaufs unternommen worden seien. Russland und die Türkei müssten ihre "Zusammenarbeit im militärisch-technischen Bereich" verstärken, sagte er. Zunächst geht es aber darum, den Vertrag über die Lieferung der russischen Raketensysteme des Typs S-400 in die Türkei zu erfüllen. Der russischen Agentur Interfax zufolge sollen die vier Flugabwehrsysteme vom Typ S-400 umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro kosten.

Die Pläne der Türkei, das russische Luftabwehrsystem zu kaufen, sorgen schon länger für Probleme innerhalb der Nato. Die USA und andere Mitgliedsstaaten fürchten, Russland könnte über das System Informationen zu Flugzeugen des Verteidigungsbündnisses erlangen. Die USA haben aus Protest das gemeinsame F-35-Kampfjet-Programm mit der Türkei stillgelegt und fordern von der Regierung in Ankara eine Absage des Geschäfts mit Russland.

Russland will im Juli liefern

Auf die Kritik aus den USA reagierte Erdoğan mit Unverständnis. Die Regierung in Washington habe der Türkei das US-Luftabwehrsystem Patriot angeboten, sagte der Präsident. Aber das Angebot sei nicht so vorteilhaft wie das russische gewesen. Die Lieferung der Abwehrraketen aus Russland werde deshalb im Juli beginnen. Die Zahlungen an Russland liefen bereits.

Während des mehrstündigen Treffens sprachen Erdoğan und Putin auch über gemeinsame Wirtschaftsbelange. Putin sprach von einer besonders engen Zusammenarbeit im Energiebereich. Die wichtigsten gemeinsamen Projekte seien der Bau der Gaspipeline Turkish Stream, durch die Ende des Jahres das erste Gas fließen soll, und der Bau des ersten Atomkraftwerks in der Türkei. Die von Russland gebaute Anlage Akkuyu soll 2023 zum 100. Jahrestag der Gründung der Türkischen Republik in Betrieb gehen.

Erdoğan und Putin wollen weiter an Lösung des Syrienkriegs arbeiten

Ein weiteres Thema des Treffens war auch die Lage in Syrien. Beide bekräftigten dabei, dass sie ihre Bemühungen um eine Lösung des Krieges fortsetzen wollten. Mit Blick auf ihre im September vereinbarte Waffenruhe für die syrische Provinz Idlib sagte Putin, es habe bereits Fortschritte gegeben – auch wenn diese nicht so schnell vonstattengegangen seien wie erhofft. Erdoğan bekundete seine Unterstützung der Vereinbarung: "Wir haben die Schritte unternommen, die wir tun müssen, und werden damit fortfahren. Es gibt kein Zurück."

Zuletzt war Erdoğan Mitte Februar in Russland gewesen. In Sotschi führte er mit Putin und dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani Gespräche zur Lösung des Syrienkriegs.