Die türkische Regierung hat das Kontaktverbot für den inhaftierten PKK-Gründer Abdullah Öcalan aufgehoben. Justizminister Abdülhamit Gül kündigte an, dass das Besuchsverbot für seine Anwälte nicht mehr gelte, wie unter anderem die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Öcalan war Anfang Mai erstmals seit 2011 wieder von seinen Anwälten besucht worden, doch galt dies bisher als einmaliger Schritt.

Der Mitbegründer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist seit 20 Jahren in fast völliger Isolation auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmara-Meer inhaftiert. Er war 1999 bei einer türkischen Geheimdienstoperation in Kenia festgenommen und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt worden. 2002 wurde seine Strafe in lebenslange Haft umgewandelt.

Öcalan hatte die PKK 1978 mitgegründet, um Autonomie für die Kurden im Südosten der Türkei zu erreichen. 1984 nahm die Arbeiterpartei den bewaffneten Kampf für einen unabhängigen Kurdenstaat auf. Seitdem wurden in dem Konflikt mehr als 40.000 Menschen getötet. Die türkische Regierung und ihre westlichen Verbündeten betrachten die PKK als Terrororganisation.

Im Dezember 2012 begann der türkische Geheimdienst geheime Gespräche mit Öcalan auf Imrali, die im Frühjahr 2013 zu einer Waffenruhe führten. Im Sommer 2015 endete dieser Friedensprozess jedoch. Nach dem Besuch seiner Anwälte Anfang Mai war in türkischen Medien spekuliert worden, ob dies zu einem neuen Friedensprozess führt.