Die Welthungerhilfe hat anlässlich der Westafrika-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer drohenden humanitären Katastrophe in der Region gewarnt. In der Sahelzone hätten 33 Millionen Menschen nicht genug zu essen. "Klimawandel, Hunger, Armut und Perspektivlosigkeit insbesondere der Jugend bergen im Sahel ein gefährliches Konfliktpotenzial", hieß es. Es sei daher zu begrüßen, dass die Kanzlerin der Region "hohe Bedeutung" beimesse.

Die internationale Gemeinschaft habe sich bisher "zu sehr auf den militärischen Aspekt" konzentriert, beklagte die Welthungerhilfe. Finanzielle Mittel für militärische Programme dürften aber nicht zulasten von humanitären und entwicklungspolitischen Programmen aufgestockt werden.

Merkel hatte Burkina Faso und den Staaten der Regionalorganisation G5 Sahel zuvor Unterstützung im Kampf gegen islamistischen Terrorismus und für mehr Stabilität zugesagt. Die Unruhen und die schlechte Sicherheitslage hätten auch mit der Krise in Libyen und der Entwicklung im Sudan zu tun, sagte Merkel nach einem Treffen mit Burkina Fasos Staatspräsident Roch Marc Kaboré. Auch angesichts eines Bevölkerungswachstums von drei Prozent stehe das Land vor großen Herausforderungen.

Die Kanzlerin befindet sich seit zurzeit auf einer dreitägigen Reise durch Westafrika. Auf ihrem Programm steht noch ein Treffen mit deutschen Truppen in Mali sowie Gespräche mit Nigers Präsident Mahamadou Issoufou in Niamey.

Der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion nannte es höchste Zeit, dass Merkel sich in Mali, Niger und Burkina Faso zeige. Die Förderung deutscher Investitionen für Arbeitsplätze vor Ort komme nicht voran, sagte Christoph Hoffmann der Rhein-Neckar-Zeitung. Beim G20-Gipfel vor zwei Jahren sei "sowohl Afrikanern als auch deutschen Firmen Unterstützung versprochen". Bisher lägen aber "noch keine verwertbaren Ergebnisse" vor, kritisierte Hoffmann.